AboFurcht vor neuen ZöllenWie die Schweiz sich für den US-Handelskrieg rüstet
Es kursieren kreative Ideen, wie die Handelsdiplomatie allfälligen Schaden durch Donald Trump in Grenzen halten könnte. Hilft Google – oder Fifa-Chef Infantino?
- Donald Trump führt neue Importzölle auf Stahl und Aluminium ein.
- Schweizer Offizielle und Wirtschaftsvertreter versuchen, Trumps Handelspolitik zu beeinflussen.
- Die Schweiz könnte von Gegenmassnahmen der EU betroffen sein, wie bereits in der Vergangenheit.
- US-Technologiefirmen mit Präsenz in der Schweiz könnten bei Handelsverhandlungen helfen, so eine Hoffnung.
In seinen ersten gut drei Wochen im Amt hat der neue US-Präsident Donald Trump verschiedene Handelsbarrieren angedroht. Manche hat er aufgestellt und kurz darauf wieder eingerissen. Wie viel davon ernsthafte Handelspolitik, «Dealmaking» oder bereits Kampagne für die Zwischenwahlen Ende 2026 ist, ist noch nicht zu durchschauen.
Noch gibt es – anders als in der EU oder in China – keine Anzeichen dafür, dass Trump Warenströme aus der Schweiz gesondert mit Zöllen belegen will. Von den bisher verkündeten Massnahmen könnten die generellen Importzölle von 25 Prozent auf Stahl und Aluminium einen Einfluss auf die Schweiz haben. Trump hat sie am Montag dieser Woche auf Mitte März angekündigt.
Zwar sind die Exporte der Schweiz in die USA in diesem Bereich vernachlässigbar. Doch schwächen die Zölle die Volkswirtschaften der EU, deren Gedeihen für die Schweiz entscheidend ist. Denkbar ist, dass die EU mit ihren angekündigten Gegenmassnahmen auch die Schweiz trifft. Das geschah bereits, nachdem Trump 2018 solche Zölle eingeführt hatte.
Hoffen auf neue US-Botschafterin in Bern
Die Hoffnung vieler Vertreter und Vertreterinnen aus der Schweizer Wirtschaft, Politik und Verwaltung ist, dass sie die Entwicklungen dieses Mal frühzeitig beeinflussen können. Das lassen Gespräche erkennen, die diese Redaktion in den letzten Tagen geführt hat. Im Zentrum stehen dabei die Ansätze der klassischen Handelsdiplomatie:
Ignazio Cassis’ Aussendepartement und das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco, das unter Bundesrat Guy Parmelin angesiedelt ist, führen diese Probleme weit oben auf der Prioritätenliste. Gute Gelegenheiten für Treffen boten sich etwa am Weltwirtschaftsforum in Davos.
Die neue US-Botschafterin in Bern ist zwar noch nicht durch den Senat bestätigt worden und tritt ihre Stelle erst im Sommer an. Doch sollen so bald wie möglich erste Kontakte stattfinden. Bei der Botschafterin in spe handelt es sich um Callista Gingrich, die Frau des Republikaners Newt Gingrich, ehemaliger Sprecher des Repräsentantenhauses und einflussreicher Trump-Förderer.
Eine weitere konventionelle Form der Diplomatie, die gerade angedacht wird, ist das Aufstellen einer Delegation aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Sie würde so bald wie möglich in die USA reisen, um Entscheidungsträger zu treffen und die Situation der Schweiz zu erklären. Doch das wird einige Zeit dauern. Erstens werden sich die USA zuerst um wichtigere Handelspartner kümmern. Zweitens ist in Washington noch vieles unklar: So wartet der designierte Handelsminister Howard Lutnick noch auf seine Bestätigung durch den Senat.
Man habe es mit einer Gleichung mit vielen Unbekannten zu tun, heisst es aus der Bundesverwaltung. Im Moment könne man nichts anderes tun, als in Szenarien zu denken und kreativ zu sein. Bisher sei die Situation jedoch in keiner Weise dramatisch.
Die Techriesen sollen mithelfen
Ein Problem ist allerdings bereits konkret: Kurz vor der Übernahme durch Donald Trump zählte die abtretende Administration von Joe Biden die Schweiz zu einer Gruppe von Ländern, für die der Export von amerikanischen Computerchips limitiert werden soll. Bis heute ist nicht klar, warum die USA der Schweiz in diesem Bereich nicht vertrauen. Eine hochrangige Person vermutet im Gespräch, dass die Biden-Regierung die Schweiz gezielt schwächen wollte, weil diese zu einer ernst zu nehmenden Konkurrentin im IT-Bereich geworden sei.
Verschiedene Gesprächspartner geben preis, deswegen mit den Vertretern der US-Technologieriesen ins Gespräch treten zu wollen, die in den letzten Jahren wichtige Standbeine in der Schweiz aufgebaut haben. Zu nennen sind zum Beispiel Google, der Facebook-Mutterkonzern Meta und Amazon. Trump scheint, anders als während seiner ersten Amtszeit, dieses Mal einen intensiven Austausch mit den Spitzen aus dem Silicon Valley pflegen zu wollen. Sie könnten nun ein gutes Wort für die Schweiz einlegen.
Auch die Schweizer Hochschulen sollen ihre Beziehungen spielen lassen: Insbesondere die beiden ETH in Zürich und Lausanne mit ihrer Weltklasseforschung unterhalten beste Kontakte zu den wissenschaftlichen Eliten der USA. Über Forschungskooperationen bestehen ausserdem Verbindungen zur Privatwirtschaft – etwa mit Disney oder Microsoft.
Infantino wäre ein logischer Mittelsmann
Auf offiziellem Weg ist vom Bund zu alledem wenig Konkretes zu erfahren. In einer Stellungnahme heisst es: «Unter der Leitung des Seco sprechen sich betroffene Ämter in der Bundesverwaltung in enger Zusammenarbeit mit der Schweizer Botschaft in Washington und unter Einbezug der betroffenen Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Hochschulen sowie Wirtschafts- und Fachverbänden ab.»
Der Schweizer mit den besten Beziehungen zum Weissen Haus wird dabei offiziell noch nirgends erwähnt: Der Walliser Gianni Infantino, Präsident des Fussball-Weltverbands Fifa mit Hauptsitz am Zürichberg, war Gast bei der Amtseinführung und zuvor in Trumps Resort Mar-a-Lago. Schon während Trumps erster Amtszeit von 2017 bis 2021 hatten sich die zwei Männer wiederholt getroffen und zusammen den Zuschlag für die Ausrichtung der Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko gefeiert.
Neben den verschiedenen Kontakten sehen die Gesprächspartner die Schweiz auch gut gerüstet, was die Argumente betrifft: Viele von ihnen betonen, dass die Schweiz zwar einen Handelsbilanzüberschuss von knapp 40 Milliarden Franken gegenüber den USA ausweist, was Waren betrifft.
Bei den Dienstleistungen hingegen erwirtschaften die USA laut dem Seco mittlerweile ein Plus von jährlich über 20 Milliarden Franken gegenüber der Schweiz. Den grössten Anteil daran haben Lizenzen und Forschungs- und Entwicklungsleistungen. Die Schweiz trägt also nur wenig zum US-Handelsbilanzdefizit von über 800 Milliarden Franken bei.
Zudem seien die Investitionen aus der «kleinen Schweiz» in die US-Wirtschaft überdurchschnittlich hoch. Weltkonzerne wie der Zementhersteller Holcim, Roche, Novartis oder Nestlé beschäftigen in den USA je Zehntausende Personen. Die Schweiz erfülle also bereits, so das Hauptargument der Gesprächspartner, was sich Trump von Handelspartnern wünsche.
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