AboBauprojekt am Bahnhof KlotenEin 26 Meter grosser Würfel ersetzt das Restaurant Sonne
An der Stelle des Restaurants Sonne entsteht am Bahnhof Kloten ein achtstöckiger Kubus mit Büros, Café und Shop. Und dazu insgesamt über 150 Wohnungen.
Der rasante Wandel im Zentrum Klotens lässt die dörfliche Baustruktur mehr und mehr verschwinden. Das aktuelle Beispiel könnte auch unter dem Motto Sonnenuntergang durchgehen. Es betrifft nämlich das alte Giebelhaus direkt am Klotener Bahnhof, in dem sich das Restaurant Sonne befindet.
An der Ecke Lindenstrasse/Bahnhofstrasse ist an der Stelle der heutigen Gaststätte ein moderner würfelartiger Neubau geplant. Gleich daneben ist überdies auch der Aufbau eines neuen Bahnhofsquartiers vorgesehen. Die Vorhaben sind seit geraumer Zeit ausgesteckt und die Frist zur öffentlichen Einsichtnahme mittlerweile verstrichen.
26 Meter hoher Neubau geplant
Die öffentlich zugänglichen Projektunterlagen im Stadthaus zeugen von der neuen Urbanität im grossen «Dorf», wie manche ihren Wohnort trotz einer Bevölkerungszahl von über 21’000 Personen noch immer bezeichnen.
An prominenter Ecke soll ein achtstöckiger rund 26 Meter hoher Neubau mit einer dunkelgrauen Klinkerfassade mit leicht hervorgestellten, erkerartigen Ecken das altehrwürdige Gasthaus Sonne aus dem vorletzten Jahrhundert ersetzen. Das bestehende Gebäude der Klotener Sonne entstand 1893 und steht nicht unter einem besonderen Stern. Will heissen: Es gilt nicht als besonderes Baudenkmal und geniesst daher keinen Schutzstatus.
Die Pläne sehen vor, dass im Erdgeschoss und im ersten Stock Gewerberäume eingerichtet werden. Das entspricht auch der Nutzungsvorgabe des Gestaltungsplans Lirenächer. Ohne ein solches vom Stadtparlament bewilligtes Planungspapier dürfte an dieser Stelle «nur» viergeschossig gebaut werden, was dem bisherigen Bestand entspricht.
Shop, Café, Büros und Praxen
Ob das Gastroangebot der Sonne in dieser Form weitergeführt wird, ist nicht bekannt. In den Projektunterlagen findet sich betreffend zukünftiges Gewerbeangebot im Neubau verschiedentlich der Vermerk «noch offen». Produzierendes Handwerk, laute oder sonst irgendwie besonders emissionsreiche Tätigkeiten werden aber explizit ausgeschlossen. Einzig mit Werkverkehr und Güterumschlag sei zu rechnen, aber nur tagsüber.
Auf den Bauplänen erkennt man bei näherem Hinsehen aber zwei kleine Gebäudebeschriftungen, welche auf die künftige Parterrenutzung hindeuten. An der bahnhofsseitigen Südfassade prangt da der Schriftzug des Bahnhofslädeli Avec, während an der Westfassade auf der ZKB-Seite schlicht die Buchstaben «CAFE» zu erkennen sind.
Im ersten Stock entsteht auf rund 460 Quadratmetern Nutzfläche Platz für Büroräume oder Praxen. So jedenfalls ist es in den Plänen vermerkt.
Zu drei Vierteln mit neuen Wohnungen gefüllt
Wer im Erdgeschoss und ein Stockwerk darüber neue Laufkundschaft anlocken wird, dürfte neben den Passantinnen und Pendlern aus Kloten vor allem auch die neuen Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses interessieren. Denn in den sechs obersten Etagen des Neubaus sind 36 Wohnungen geplant. 12 3½-Zimmer- und 24 2½-Zimmer-Wohnungen. Allesamt zwischen 48 und 79 Quadratmeter gross.
Unter dem Gebäude gibts nebst den Kellern der Wohnungen eine Tiefgarage mit 13 Parkplätzen. Auf dem Dach ist neben extensiver Begrünung auch eine Solaranlage vorgesehen. Geheizt wird indes mit Wärmepumpen.
Als Bauherrin tritt die EMWE Immobilien AG aus Zürich auf. Derselben Firma gehört auch das Grundstück, während die Bauplanung von der EMWE Architektur AG stammt. Insgesamt will man gemäss Angaben im Baugesuch 16,5 Millionen Franken investieren und zwischen Dezember 2024 und Dezember 2026 bauen.
Weitere Vorhaben im grossen Stil laufen
Gleich nebenan tut sich übrigens noch einiges mehr. Nach den Vorgaben desselben Gestaltungsplans Lirenächer plant die Pensionskasse der Zürcher Kantonalbank für etwas über 70 Millionen Franken eine grosse Überbauung mit bis zu siebenstöckigen Bauten im Stile einer städtischen Blockrandbebauung.
Das separate Baugesuch enthält eine Fülle von Angaben zum ambitionierten Vorhaben, das übrigens ein Jahr versetzt zum Sonne-Ersatzneubau ab Dezember 2025 umgesetzt werden soll. Im Zuge dessen wird die noch unbebaute Wiese am Bahnhof bei den Bushaltestellen mit dem Veloturm und der Farmerladenbox überbaut.
In zwei abgewinkelten Baukörpern, die um einen begrünten Innenhof angelegt werden, entstehen gemäss Angaben der ZKB-Pensionskasse insgesamt 123 weitere Wohnungen. Die meisten davon in der Grösse von 3½ Zimmern (55 Einheiten), während am zweithäufigsten 2½-Zimmer-Wohnungen (39) auf den Markt kommen werden. Für Familien sind 25 4½-Zimmer-Wohnungen und 4 5½-Zimmer-Wohnungen geplant. Im Boden gibts eine Tiefgarage mit rund 80 Parkplätzen für diese Siedlung.
Auch viele neue Ladenlokale entstehen
Über das ganze Lirenächerareal, das sich von der Ecke am Bahnhof mit der Sonne bis zur Marktgasse hinunterzieht, ist ein Gewerbeanteil von 25 Prozent vorgeschrieben. Das bedeutet, dass in den Erdgeschossräumen zahlreiche Ladenlokale, Praxen, Ateliers, Dienstleistungsangebote oder sonstige Gewerberäume eingemietet werden. In den Plänen findet sich bereits der Hinweis auf eine neue Kindertagesstätte.
Neben der Sonne verschwindet also noch eine ganze Reihe bestehender Gebäude, die den grösseren und höheren Neubauten weichen müssen. Das gilt letztlich auch für den bestehenden Bahnhof Kloten.
Das Areal, wo Pendlerinnen und Touristen heute auf die S7 und zu den Ortsbussen strömen, wird völlig neu konzipiert und mit einer neuen Busvorfahrt direkt an den Gleisen geplant. Der dafür notwendige Gestaltungsplan ist noch in Bearbeitung und soll voraussichtlich im nächsten Jahr vors Stadtparlament kommen.
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