Mein Heinrich ist schon wieder besoffen. Von den Kolleginnen und Kollegen wird er inzwischen liebevoll die »Gemeine Stinkmorchel« genannt, und es könnte keinen besseren Spitznamen geben. Eingesaut und mit verschwommener Sicht taumel ich viel zu spät in der Nacht durchs Dorf und werde vom Schneider einen Suffkopp gerufen. Zumindest glaube ich, dass es der Schneider war. In jedem Fall rufe ich zurück, er soll die Klappe halten. Ich mach’, was ich will.
Als dann eine Wache des Vogts meinen Hund auch noch eine Töle schimpft, wird die Stinkmorchel wütend. Gewandt wie ein übergewichtiger Mopswelpe wuchte ich dem behelmten Wachmann meine Faust ins Gesicht. Kurz bevor mich die Wache wiederum besinnungslos prügeln kann, gebe ich auf und zahle ein Bußgeld. Ich kollabiere blau geschlagen auf einem Strohlager in der Tavernen-Scheune und denke mir in dem Moment: »Schöner könnte das Leben gerade nicht sein.«
Abwertung wegen Bugs
Kingdom Come 2 ist weit davon entfernt, so fehlerhaft wie sein Vorgänger zu sein. Dennoch sind wir auf unseren Testsystemen selbst mit Day-1-Patch auf viele kleinere und größere Bugs gestoßen. Manche Quests ließen sich nicht abschließen, wichtige Items landeten wie von Zauberhand im Inventar, NPCs waren nicht dort, wo sie eigentlich sein sollten. Nichts davon war wirklich game-breaking, aber in Summe doch so störend, dass wir 3 Punkte für die Bugs abziehen. Sobald Warhorse die Probleme in den Griff bekommt, winkt entsprechend eine Wertung von 93.
Kingdom Come: Deliverance 2 ist ein Spiel, dem ich schon nachtrauere, bevor es zu Ende ist. Denn Momente wie dieser führen mir in den über 100 Spielstunden immer wieder vor Augen, dass ich es nie wieder zum ersten Mal erleben kann. Dieses Gefühl vollkommener Immersion, das entsteht, wenn ich noch nicht wirklich weiß, was mich alles erwartet. Wenn die Welt noch grenzenlos wirkt, weil so vieles im Nebel liegt. Dann entfaltet Kingdom Come 2 seine ganze Magie. Zieht mich ins mittelalterlich erscheinende Böhmen und lässt mich glauben, dass hier mein zweites Leben beginnt.
Wie dieses Leben aussieht? Das ist mir überlassen. Ob als nobler Recke, fleißiger Handwerker oder als gemeine Stinkmorchel. Heinrich ist zwar Heinrich, doch die Rollenspiel-Werkzeuge im Repertoire dieses Open-World-Kolosses sind so vielfältig, dass alles denkbar erscheint.
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Kingdom Come 2 macht mit einem neuen Cinematic-Trailer ordentlich Stimmung vor dem Release
Also ja … Kingdom Come 2 ist ein grandioses Rollenspiel. Zumindest für mich und für viele Kolleginnen und Kollegen. Das gibt nur keine Antwort auf die Frage, ob ihr das ganz genau so sehen werdet. Ob ihr genauso wie ich in dieser faszinierenden Welt versinkt und so sehr in eurer erwählten Rolle aufgeht, dass ihr gefühlt nie jemand anderes gewesen seid.
Denn Kingdom Come 2 ist wie sein Vorgänger manchmal eigenwillig und verfolgt eine sehr klare Vision. Kingdom Come 2 biedert sich nicht an, Kingdom Come 2 macht, was es will. Ein bisschen wie die gemeine Stinkmorchel. Ob ihr damit Spaß habt, hängt von euren Vorlieben ab. Ich gebe euch aber mein Wort: Am Ende des Tests wisst ihr, ob euch dieses Ausnahmerollenspiel ebenfalls über 100 Stunden lang an seine immersive Welt ketten wird. Oder ob ihr es zu kompliziert, anstrengend oder sogar langweilig findet.
Runter vom hohen Ross
Kingdom Come 2 begegnet schon in den ersten Minuten einem altbekannten Problem zahlreicher Rollenspiel-Nachfolger: Der Held hat im ersten Teil seine Fähigkeiten scheinbar so weit verbessert wie möglich und steht am oberen Ende der Nahrungskette. Verspeist Banditen, Ritter oder Könige zum Frühstück. Gut, ganz so übermächtig war Heinrich auch am Ende des Vorgängers nicht und trotzdem muss der Gute erstmal wieder auf den Boden geholt werden. Denn Kingdom Come macht dann am meisten Spaß, wenn man sich durch den Dreck nach oben wühlt.
Wenn Heinrich also hoch zu Ross auf wichtiger Mission in Begleitung seines guten Freundes Hans Capon in dem ersten von insgesamt zwei offenen Spielbereichen ankommt, fällt die ganze Unternehmung wortwörtlich ins Wasser – schließlich wollen die zwei doch nur baden gehen. Einen Banditenangriff später fliehe ich als Heinrich nur in Unterhosen vor einer mordenden Meute, werde verwundet und verliere dadurch meine Fähigkeit, ein Schwert gerade zu halten. Ein Sturz von einem Berg raubt Heinrich dann offenbar auch den letzten Verstand und lässt ihn nicht länger die richtigen Worte finden, um sich aus jeder Misslage rauszureden.
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vor einer Stunde
Lade es gerade runter. Die Lobeshymnen muss ich mir jetzt doch mal persönlich anschauen ;D
vor 2 Stunden
...Und dann gibt's ihn doch, den Wermutstropfen...
Habe jetzt ein paar Stunden gespielt, und ich muss sagen: KCD2 ist wirklich ein Meisterwerk.
Aber für mich persönlich bietet das Spiel auch eine schmerzhafte Herausforderung: ich bin einer derjenigen, die durch eine Misophonie gequält werden. Unter anderem erzeugt das Pfeifen oder Flöten, mit dem einige Menschen ihre Umwelt belästigen, bei mir physische Schmerzen. Und in diesem Spiel wird permanent irgendwo gepfiffen: beim Würfelspiel, bei handwerklichen Aufgaben (beim Schmieden macht man das sogar selbst...). Ach was gäbe ich dafür, wenn man das abstellen könnte...
vor einer Stunde
@Hiob1971 Danke, dass du deine Erfahrungen teilst! Finde ich ein sehr spannendes Thema, auf das ich beim Spielen so gar nicht achte!
Vll kommt ja bald eine Mod, die das in den Griff bekommt, damit du das Spiel auch genießen kannst. Halt uns da gerne auf dem Laufenden, falls du einen Weg findest! :)
vor 3 Stunden
Tja... Kingdom Come Deliverance hab ich damals in meiner ersten Elternzeit durchgespielt. 3 Monate daheim mit einem Säugling, der meistens geschlafen hat. Das war eine epische Erfahrung. Mittlerweile haben wir 3 Kinder und die Zeit für PC-Spiele ist Mangelware. Dennoch war KcD2 das erste Spiel seit 6(!) Jahren, dass ich neu gekauft habe... und ich bin übers Schmieden, Taschendiebstahl und Wildern noch nicht viel rausgekommen. Oh Gott, ich liebe dieses Spiel! (Aja Kräuterpflücken und Alchemie :D) Bin mir sicher, in 20-30 Stunden (also bei mir in ca. nem halben Jahr), werde ich auch mal ne Quest machen :D
vor 23 Stunden
Kann es sein, dass nach dem Intro der englische Sprecher von Heinrich gewechselt wurde? Er lispelt plötzlich bei mir und die Stimme klingt irgendwie komisch.
vor einem Tag
Hab ab 17ten Feb eine Woche Urlaub gebucht, bis dahin sind auch die ärgsten Bugs und Mätzchen raus - dann wird eine Woche in das Teil reinversenkt. Hab sowas nicht mehr seit dem Skyrim Release gemacht und freue mich wie blöd darauf. Danke Warhorse Studios schon jetzt für die vielen tollen kommenden Stunden!
vor 20 Stunden
@Bims0n ich hab nächste Woche Urlaub ^^ ich hoff dass es bis dahin auch schon patches oder mods gibt
vor einem Tag
Was mich gerade voll abholt : Wie geil sind eigentlich die Stealth Mechaniken? Da steckt ein waschechtes "Thief" unter der Haube. Und das in der immersivsten Mittelalterspielwelt, die man sich nur wünschen kann. Das Teil drückt bei mir einfach mal alle Knöpfe ...
vor einem Tag
Ich finde das Kampfsystem richtig gut. Klar ist es anders als andere Systeme. Aber mir ist das absolut nicht negativ aufgefallen beim ersten Teil. Und bei zweiten soll es ja besser sein (inwiefern - keine Ahnung). Da sind die Gegner halt keine kompletten Statisten.
Die besten Duelle gibt´s meiner Meinung nach in Ridley Scotts erstem Film "The Duellists". Besser kann man das kaum darstellen. Da geht es um Leben und Tod.
Und für eine Mittelaltersimulation (im Gegensatz z.B. zu Assassin´s Creed) kann so ein Kampfsystem ruhig komplexer sein.
vor einem Tag
Leider hatte ich nach ca einer Stunde zocken schon den ersten fundermentalen Spielfehler:
Ich habe einen NPC gekillt der zuvor in einem Dialog teilnahm und wenig später, kam der "tote" NPC einfach LEBEND in einen späteren Dialog den ich mit einem anderen NPC geführt hatte, als wäre nichts gewesen.
Sorry aber, sowas darf echt nicht sein.
vor einem Tag
@Spartus fundamental ist sowas nicht, sowas kann man leicht ausmerzen.
vor einem Tag
@Spartus
Fundamental wäre ein Storyblock in fünf Stunden weil Du den Typen getötet hast - das ist einfach ein Immersionskiller ;-)
vor einem Tag
Gestern Punkt 17 Uhr angeworfen und angenehme 6 Stunden drin versenkt.
Bis jetzt ist es genau das was ich wollte. Die Systeme wurden im Vergleich zum Vorgänger verbessert, es wirkt sehr gut poliert, die Grafik ist wunderschön und es läuft wie geschmiert.
Der erste Spaziergang durch die Landschaft rund um Troskowitz war einfach pure Atmosphäre.
vor einem Tag
Ich habe den ersten Teil ca 2 Stunden gespielt und bin leider absolut nicht mit dem Kampfsystem geworden, für mich ein Game breaker und die Streams zB bei Twitch zeigen genau das alte, unausgereifte System, wo viele Körperteile ineinander glitchen. Es wirkt einfach so verkrampft, da kann die Welt noch so schön sein.
Viel Spaß an die Spieler mit dem Spiel, die damit gut klarkommen.
vor einem Tag
@kazzig das stimmt schon, wenn man sich darauf einlassen kann ist das schon sehr geil verstehe aber auch wenn das für jemanden nichts ist.
Realistisch etwas abzubilden hat immer seine Nachteile.
Grüße
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