Direkt zum Inhalt wechseln
LIVE Neue Nachricht im Liveticker
Wokeness hinter Gittern

Berliner Gefängnisse jetzt divers

Die JVA Tegel ist eines der größten Gefängnisse Deutschlands
Die JVA Tegel ist eines der größten Gefängnisse Deutschlands Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Von

Wokeness jetzt auch hinter Gittern: Kein Häftling, der in den Berliner Justizvollzugsanstalten (JVA) seine Strafe absitzt, soll mehr diskriminiert werden. Deshalb haben die Gefängnisse umgestellt – auf divers.

Zwar im Gewahrsam, aber geschlechtergerecht! Seit Jahrzehnten informierten an den Haftraumtüren der JVA Tegel Hinweis-Schilder, beispielsweise: „Belegt/1 Mann“. Zudem waren auf den Beschilderungen die anstaltsinterne Arbeit („Schlosser“) und etwaige Disziplinarmaßnahmen („Arrest“) notiert.

Nun spielt das biologische Geschlecht aber auch unter Freiheitsentzug keine Rolle mehr, sämtliche sexuelle Identitäten werden anerkannt. Deshalb gibt es ab sofort drei Schilder.

Auf dem ersten finden die geschlechterneutralen Begriffe „belegt“ oder „nicht belegt“ Verwendung. Das zweite Schild zeigt den jeweiligen Betrieb der inhaftierten Person auf („Schlosserei“), das dritte verkündet – wie gehabt vollzugliche Einschränkungen.

So berichtete die Gefangenenzeitschrift „Der Lichtblick“ über die Problematik
So berichtete die Gefangenenzeitschrift „Der Lichtblick“ über die Problematik Foto: n.n.

Unterschwellig war die Kritik in der JVA Tegel (hier verbüßen rund 670 Männer mittlere, lange und lebenslange Freiheitsstrafen oder sind in Sicherungsverwahrung) immer größer geworden.

Mehrere Transfrauen hatten sich anonym an die Gefangenenzeitschrift „Der Lichtblick“ gewandt. „Ihr Leidensdruck war sehr groß, ihre Berichte emotional“, sagt „Lichtblick“-Redakteur Steffen Kahrels (35), der selbst Häftling in Tegel ist. „Sie wurden gemobbt und diskriminiert. ‘Du bist ein Mann, das steht an deiner Tür.‘“

Keine Diskriminierung in Gefängnissen

Angeboten wurde von der JVA zunächst, dass Personen, die im Anstaltsbüro den Wunsch vorbrächten, ein gesondertes Schild erhielten. Aber: Diejenigen, die davon Gebrauch machen wollten, befürchteten weiterhin Diskriminierung. Für diejenigen, die sich nicht outen wollten, griff die Regelung nicht.

Der Prozess hin zu mehr Geschlechter-Gerechtigkeit – mühsam. „Zur bisherigen Beschilderungspraxis erfolgte eine ausführliche Prüfung und im Ergebnis wurde die Beschilderung verändert und vereinheitlicht“, so eine Sprecherin der Senatsjustizverwaltung zu B.Z.

Nach diesem Erfolg möchte sich „Der Lichtblick“ als Nächstes dafür einsetzen, dass es in Tegel künftig auch Nagelbalsam, Hautcremes und Peeling-Handschuhe für Inhaftierte zu erwerben gibt.

Themen: Gefängnis gendern Gendersprache Geschlecht JVA JVA Tegel Transgender
Deine Datensicherheit bei der Nutzung der Teilen-Funktion
Um diesen Artikel oder andere Inhalte über Soziale- Netzwerke zu teilen, brauchen wir deine Zustimmung für diesen .
Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung dieser Webseite mit Tracking und Cookies widerrufen. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit personalisierter Werbung, Cookies und Tracking entscheiden.