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Im Todeswahn die Freundin erstochen

Lesezeit 3 Minuten

BEDBURG / KÖLN. Eins sein wollte er mit dem Universum. Und dieses Glücksgefühl wollte Andreas H. mit seiner Freundin Andi teilen. So beschloss er, nicht nur sich selbst zu töten, sondern auch seine Freundin. Durch den Tod hoffte er, gemeinsam mit ihr in die „Welt der Erleuchteten“ zu gelangen.

Mit 13 Messerstichen in den Rücken tötete der 20-Jährige am Abend des 16. Juni 2005 im elterlichen Haus in Bedburg seine gleichaltrige Freundin. Anschließend stach er sich selbst dreimal in Bauch und Brust und verletzte sich schwer. Aber er überlebte.

Seit gestern wird vor der 4. Großen Strafkammer am Kölner Landgericht über die Zukunft des jungen Mannes verhandelt, der laut Anklage „im Zustand der Schuldunfähigkeit“ handelte. Am Ende des Prozesses wird also nicht das Gefängnis stehen, sondern die geschlossene Psychiatrie. Denn darin sind sich Gerichtskammer, Staatsanwaltschaft und Verteidigung einig: Andreas H. ist kein Mörder.

Er selbst äußerte sich beim gestrigen Prozessauftakt nicht zum Tatverlauf. Sein Verteidiger erklärte, sein Mandant sei „ein schwerkranker Mann“. Er betrachte seine Tat mit Entsetzen und Trauer. „Er schweigt aus Sprachlosigkeit“, so Anwalt Reinhard Birkenstock.

Mit blassem Gesicht folgte der junge Mann mit der Zopffrisur aus bürgerlichem Elternhaus dem Prozessverlauf. Es oblag Dr. Ursula Scheidt, Fachärztin für Psychiatrie, den Tatabend zu schildern, wie sie ihn von Andreas H. erzählt bekam.

Der junge Mann sei schon Tage vor dem Tatgeschehen voller Todessehnsucht gewesen. Er habe Speed und Ecstasy genommen, „um wach zu bleiben“. Nach der Rückkehr vom Hurricane Festvial in Scheeßel in der Nähe von Hamburg, einem Festival mit Bands zwischen Alternativ und Death Metal, sei er in schwieriger Stimmung gewesen. Seine Freundin, die in Monheim lebte, besuchte ihren Freund in Bedburg. Sie unterhielten sich. Sie umarmten und küssten sich.

Sterbende umarmt

und geküsst

Andreas H. trank eine Dose Bier, rauchte noch eine Zigarette. Dann ging er in die Küche und holte ein neues Küchenmesser, das Andreas H. später als „silbrig funkelnd“ beschrieb. Mit dem Messer betrat er sein Zimmer im Kellergeschoss des elterlichen Hauses. Plötzlich stach er auf seine Freundin ein. Noch einmal umarmte und küsste er seine sterbende Freundin, die schließlich röchelnd zu Boden sank. Das Messer hatte Herz, Leber und Lunge durchbohrt. Jetzt legte Andreas an sich selbst Hand an, stach sich dreimal in Brust und Bauch, „dass sich die Klinge verbog“. Der Schwerverletzte erwachte später erst im Aachener Klinikum.

So hatte Andreas H. die Tat der Psychiaterin geschildert, die nun als Gutachterin zur Erkrankung des Mannes Stellung nehmen muss. Ursula Scheidt berichtete, dass er bei seinen Schilderungen oftmals laut auflachte und kicherte. „Er sprach über den Tod, begleitet von nicht enden wollenden Lachsalven. Er sprach über seine Glücksgefühle und schilderte seine Wahnwahrnehmungen.“

Das Gericht muss in dem Verfahren neben einem Verbleib in der Psychiatrie auch darüber befinden, ob von dem Mann weitere Taten zu erwarten sind. Zur Zeit befindet er sich in der Klinik von Bedburg-Hau. Am Montag wird die Verhandlung fortgesetzt. (wod)

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