Trump und die Religion :
Mit Gott an unserer Seite?

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Bei Trumps abermaliger Amtseinführung gibt es diverse religiöse Bezüge, teils haarsträubende. Theologen kritisieren die Politisierung christlicher Narrative, einer fühlt sich an die russisch-orthodoxe Kirche unter Putin erinnert.
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„I was saved by God so I can make America great again“: Die Verbindung von Heilsgeschichte und Politik hat in den Vereinigten Staaten zwar eine lange Tradition, aber so unverblümt narzisstisch wie Donald Trump sie im Lichte des von ihm überlebten Attentats vom Juli 2024 nun bei seiner abermaligen Amtseinführung als Präsident zog, wurde sie vielleicht doch selten ausgelegt. Trump erklärte sich kurzerhand selbst zum Heiland.

Aus dem Rund der teils teuer erkauften Publikumsplätze im Kapitol von Washington sah man eher Zustimmung als Ablehnung dieser Geste. Und die drei religiösen Führer, die an der Zeremonie teilnahmen, schienen die Selbstbeweihräucherung auch noch zu unterstützen. Der Kardinal Timothy Dolan und der Rabbi Ari Berman sprachen Segenswünsche und Gebete. Der freikirchliche schwarze Prediger Lorenzo Sewell motivierte sich zu einem nahezu pfingstlerisch anmutenden Sermon, der an große Vorbilder erinnerte und dabei doch fast wie eine Parodie erschien. Sewells Anbiederung auch an die Tradition von Reden bedeutender Bürgerrechtler wirkte in diesem Zusammenhang besonders zynisch.

Kriecherei und Götzendienst?

Nach der Amtseinführung ist die Beteiligung von Religionsvertretern daran von Theologen kritisiert worden. Massimo Faggioli, der an einer Privatuniversität in Pennsylvina katholoische Theologie lehrt, erinnerte die „Kriecherei“ der erwähnten Geistlichen bei Trumps Amtseinführung an Wladimir Putins Kreml und die russisch-orthodoxe Kirche - „bei allen Unterschieden“, wie Faggioli der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Dienstag sagte. Er sprach auch von einem „Götzendienst“.

„Wir sind von einem nationalen Christentum in den USA zu einem Hofchristentum übergegangen, in dem der Wille des Kaisers Gesetz ist und der Palast voller falscher Propheten“, so Faggioli weiter. Der deutsche Theologe Benjamin Dahlke, der Dogmatik an der Universität Eichstätt lehrt, kritisierte die religiösen Narrative bei der Amtseinführung Trumps. „Als Theologe frage ich mich, wie man auf eine solche Weise vom Handeln Gottes in der Geschichte sprechen kann", sagte auch er der katholischen Nachrichtenagentur am Dienstag. Politische Entwicklungen seien bei Trumps Vereidigung umstandslos mit Gottes Handeln identifiziert worden, so Dahlke weiter. Das sei gefährlich in einer liberalen Demokratie, die von wechselnden Mehrheiten lebe.

Insbesondere seit Trump das Attentat überlebt hat, halten ihn christliche Nationalisten in den Vereinigten Staaten für einen oder gar den Auserwählten, obwohl Trumps Verhältnis zum Christentum immer wieder als von purem Opportunismus geprägt erscheint.