Ich
hätte meinem Vater gerne das Video gezeigt und ihm geduldig erklärt, was vor
sich geht, aber unsere Kommunikation unterliegt einer Sprachbarriere, die
ich nicht immer überwinden möchte. Der
fraktionslose Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich, ehemals AfD, steht am
Rednerpult im Reichstag. Er trägt einen Trainingsanzug im Gucci-Design, eine
Goldkette sowie eine schwarze Bauchtausche.
Die "Talahons", so warnt er
in seinem kurzen Redebeitrag, wollten "den deutschen Pass, unsere Gelder, aber nicht Teil
unserer Kultur werden". Mein Vater weiß nicht, was ein "Talahon" ist, und auch nicht, was "die Kultur" bedeutet, die heraufbeschworen wird. Sehr
wohl aber, was es heißt, mit Worten zu leben. Einige Menschen mit migrantischer Biografie versuchen jahrelang, sich
von der Wirkmacht solcher Begriffe zu lösen, während andere sie bewusst als Zeichen ihrer Identität
verstehen. Zwischen Selbst- und Fremdbezeichnungen liegt aber eine Welt, die
etwas zu sagen hat. Denn der Diskurs in Bezug auf "migrantische Männlichkeit" hat sich längst davon
verabschiedet, Betroffene auf Augenhöhe anzuhören. Es herrscht immer weniger
Empathie. Und damit auch ein Klima gegen Menschen, die einen Platz in der Mitte
möchten,
ihn aber verwehrt bekommen.
© Murat Aslan
Migration und Männlichkeit: Hallo, hier spricht dein Talahon
Man wächst als junger migrantischer Mann in Deutschland vor allem mit stereotypen Zuschreibungen auf: Pascha, Macho, Südländer. Das Problem ist: Das ändert einfach alles.