Peter Sottmeier ist tot: Grafiker aus Sieversdorf mit 80 Jahren gestorben
Peter Sottmeier (1943 - 2024) mit seiner Grafik „Der vitruvianische Mensch“
Ronald SottmeierDer Cartoonist und Grafiker Peter Sottmeier ist tot. Bis zur Wende 1989 arbeitete er freiberuflich als Gebrauchsgafiker beim Konsum-Bezirksverband Frankfurt (Oder). Zuvor hatte er an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studiert. Im Herbst 1989 mischte der bis dahin vor allem in Künstlerkreisen bekannte Sottmeier auch öffentlich mit. Waren es bislang meist nur symbolische Handlungen und Gesten, unterstützte er mit seiner grafischen Sprache, unter anderem Plakaten, nun das bürgerbewegte Neue Forum. Gewaltlos, mit Mitteln der Plakat-Kunst, tat er den wachsenden Willen der Menschen nach gesellschaftlichen Veränderungen kund.
Irgendwann in den 1990er Jahren führte sein Weg ihn auch ins Märkische Verlags- und Druckhaus. Als Grafiker trug Peter Sottmeier maßgeblich zur Weiterentwicklung des Layouts der Märkischen Oderzeitung und der Anzeigenblätter bei.
Gelegentlich zeichnete er auch Cartoons für die Märkische Oderzeitung. Sottmeier suchte dabei nach kreativen Botschaften, die den Tag überdauerten. Wenn nötig, kämpfte er auch in einer freien Redaktion unerschrocken für seine Idee und Haltung. Das konnte bis zur Androhung von Arbeitsverweigerung gehen.
Unabhängiger Geist in der Aufbruchszeit
Peter Sottmeier hatte eine freiheitsliebende Haltung. Er tat das, was er für richtig hielt, und nicht, was alle anderen für richtig hielten. Er legte Wert darauf, sich selbst und die Welt um ihn herum kennenzulernen. Peter Sottmeier glaubte immer an die freie Entscheidung. Eben ein unabhängiger Geist, zuweilen mit mürrischer Grundstimmung. Für einen Redaktionsleiter war Peter Sottmeier ein Geschenk in einer Zeit, da sich eine demokratische Presse in den neuen Bundesländern begann zu entwickeln.
Peter Sottmeiers künstlerische Spuren sind vielfältig. Er schuf Kunst im öffentlichen Raum, wie die Gedenktafel für den bedeutenden deutsch-amerikanischen Maschinenbauingenieur Gerhard Neumann (1917-1997). Weit über die Grenzen Brandenburgs bekannt wurde seine Grafik „Der vitruvianische Mensch“, eine Kopie eines bisher unveröffentlichten Entwurfs von Leonardo da Vinci.
Der darin auftauchende Gartenzwerg als Symbol deutschen Spießbürgertums wurde fortan zum roten Faden in all seinen Zeichnungen. Er schuf Grafiken für Bücher, Broschüren, zeichnete Cartoons, entwarf Plakate, Logos und Geschäftsdrucke, gestaltete Kreiskalender und arbeitete für die Kulturfabrik Fürstenwalde.
Erinnern an die Friedliche Revolution 1989
Gemeinsam mit dem Grafiker Lothar Tanzyna (†) schuf er im Jahr 2000 mit sieben Gedenktafeln ein Denkmal zur Erinnerung an die Friedliche Revolution 1989 in Frankfurt (Oder). Darauf steht: „Wir brauchen eine vollkommene Demokratisierung, Reisefreiheit, Rede- und Pressefreiheit, Chancengleichheit, Perspektiven für jeden einzelnen, ein besseres Bildungssystem. Und wir brauchen wirksame Kontrollen. Die friedliche Demonstration soll kundgeben, dass wir alle hier für die Wende sind, an ihr mitarbeiten, sie mittragen, sie dringend fordern.“
Sieben Gedenktafeln von Peter Sottmeier und Lothar Tanzyna am Brunnenplatz in Frankfurt (Oder)
Sebastian Wallroth, CC BY 4.0 <https: creativecommons.org="" licenses="" by="" 4.0="">, via Wikimedia Commons</https:>Peter Sottmeier starb kürzlich nach langer schwerer Krankheit mit 80 Jahren in Jacobsdorf-Sieversdorf (Oder-Spree).