Geesthacht. Jahrelang wurde geplant, die Trasse vermessen, das Areal auf Altlasten untersucht. Trotzdem steht die Geesthachter Umgehungsstraße überraschend vor dem Aus. In Berlin verschwand das wichtigste Verkehrsprojekt der Region aus dem Investitionsplan des Verkehrsministeriums - ein Todesurteil für die Straße.

"Der Entwurf des Investitionsrahmenplanes ist, wenn er so in Kraft treten sollte, eine Katastrophe für Geesthacht", sagt Karsten Steffen, der Vorsitzende der CDU-Fraktion in der Geesthachter Ratsversammlung. "Verantwortlich für dieses Desaster ist das Land Schleswig-Holstein", sagt Steffen. "Die wiederholten Verzögerungen der Planungen unserer Umgehung durch den Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr können nun dazu führen, dass der Bau der Geesthachter Ortsumgehung in weite Ferne gerät", sagt Steffen.

So wurden immer wieder Planungskapazitäten abgezogen, beispielsweise für die Anbindung der Fehmarnbelt-Querung. Hätte die Straße heute bereits Planungsreife, wäre sie vermutlich noch einmal in den Investitionsplan gerutscht. Doch da dieser Zustand Jahre entfernt liegt, fällt die Planung nun hinten runter. "Der gesamte Investitionsplan ist ein Desaster für den Süden Schleswig-Holsteins", sagt auch der SPD-Landtagsabgeordnete Olaf Schulze. "Ich erwarte, dass unsere Landesregierung Druck in Berlin ausübt, damit der Investitionsplan nicht in Kraft tritt."

Auch Geesthachts Bürgermeister Volker Manow verspricht, "Himmel und Hölle in Bewegung zu setzen". Da im Bund allerdings kaum finanzielle Reserven für weitere Investitionen zur Verfügung stehen, gilt eine Ausweitung des Planes als unwahrscheinlich.

Einzig beim Landesbetrieb Straßenbau sieht man die Entwicklung entspannt. "Wir arbeiten auf das Planfeststellungsverfahren hin", zeigt sich Leiter Jens Sommerburg weiter zuversichtlich. Vorwürfe, seine Behörde hätte das Desaster durch zu lange Verzögerungen verursacht, weist er zurück. "Mit so etwas sollte man vorsichtig sein. Wir arbeiten unsere Aufgaben im Rahmen unserer Möglichkeiten ab", so Sommerburg.

Eine letzte Chance, das Projekt zu retten, sieht Steffen in einer Art "Umgehungsstraße light" - indem man die bisherige Planung in zwei Bauabschnitten realisiert. So könnte für den Sprung über den Geesthang noch zeitnah Baureife erlangt werden, wenn alle Kapazitäten in diesen Abschnitt fließen würden. Damit wäre die Westumfahrung Geesthachts - also von der A 25 bis zur B 404 nach Hohenhorn - möglich und die Innenstadt sowie der Richtweg von einem Großteil des Verkehrs entlastet.

"Wichtig ist, dass das Land Schleswig-Holstein endlich in die Hufe kommt. Bis Ende Januar liegt der Entwurf den Ländern zur Stellungnahme vor", sagt Steffen. "Wir haben deshalb unseren Bürgermeister aufgefordert, unverzüglich mit dem Verkehrsministerium Kontakt aufzunehmen, um zu klären, was gerettet werden kann." Gespräche müsse es noch dieses Jahr geben: "Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren. Und angesichts der Bedeutung und dem Zeitdruck muss das Chefsache sein."

"Wir arbeiten unsere Aufgaben im Rahmen unserer Möglichkeiten ab." Jens Sommerburg, Leiter Landesbetrieb Straßenbau