Mir zerfallen die Worte im Mund wie schlechte Pillen
Geschichten, die hart, brutal und vulgär sind, gibt es viele. Geschichten, die gerade deswegen schön sind, gibt es selten. Es ist halb fünf, am Tag oder in der Nacht, das ist egal, denn alle Konturen und Grenzen sind ohnehin verwischt, als die sechzehnjährige Mifti zu sich kommt. Drei Matratzen entfernt liegt Edmond, ihr Bruder, er schläft, nackt, ein tätowierter Glatzentyp kniet grinsend über ihm und macht Nahaufnahmen von seinen rasierten Genitalien. Aus der Küche dringt die Stimme von Annika, ihrer Schwester, die gerade erörtert, welche drei Songs den Übergang vom Altrock zum Punk markieren, etwas schrill klingt sie, wahrscheinlich wegen eines Restes vom Heroin. Im fahlen Licht des Mac Book Pro sitzt ein Kleinkind, Äneas, und kräht, weil es nicht zum Yoga will.