Aktien :
Nebenwerte im Blick

Lesezeit: 7 Min.
Immer mehr Anleger schauen nur noch auf die großen Indizes. Dabei vergessen sie das Salz in der Suppe jeder Geldanlage. Oder hat Nvidia als Large Cap angefangen?

Verve

Die KI kennt uns alle

Bis zu 100 Millisekunden hat die Verve Group Zeit, um maßgeschneiderte Werbung für uns zu finden. Wer auch immer sich wundert, warum er plötzlich Werbung zu elektrischen Zahnbürsten auf dem Handy angezeigt bekommt, kaum dass er den ersten Gedanken an einen Erwerb hatte: Verve könnte der Grund dafür sein. Das 2012 vom Niederländer Remco Westermann gegründete Unternehmen spielt 750 Milliarden Anzeigen im Jahr auf Handys und Smart-TV-Geräten aus, je Bewohner der Erde rechnerisch also 94 Anzeigen im Jahr. Das funktioniert, weil Verve längst ein KI-Unternehmen ist, mit Big Data umzugehen weiß und alle Informationen eines Handy-Nutzers kennt, auswertet, mit den Interessen der Werbekunden abgleicht und so eben binnen 100 Millisekunden die jeweils passende Werbeanzeige ausspielt. „25 Prozent der Nutzer stimmen Cookies zu, das macht den Zugriff leicht“, sagt Westermann. „Für die anderen 75 Prozent haben wir Technologien wie ATOM entwickelt, anonymes Targeting ohne Werbe-IDs. Wir platzieren KI auf dem Gerät des Nutzers, welche die kontextbezogenen und anonymisierten Daten der App und des Geräts auswertet, um Benutzereigenschaften vorherzusagen. Dabei bleiben alle Daten auf dem Gerät, und die Privatsphäre des Nutzers bleibt während des gesamten Prozesses geschützt.“ Rund 15 Medienunternehmen hat Westermann in den vergangenen Jahren zusammengekauft, um Spezialisten in allen benötigten Bereichen zu haben. Bis vergangene Woche hieß sein Unternehmen noch Media and Games Invest. „Das Invest war aber irreführend, weil viele dachten, wir wären eine Beteiligungsgesellschaft“, sagt Westermann. Und die Games waren die ursprüngliche Herkunft des Unternehmens, machen aber nun weit weniger als ein Viertel des Umsatzes aus. „Jeden Monat kommen Tausende neue Handyspiele auf den Markt und es ist ziemlicher Zufall, welche vielleicht drei Spiele davon auf größeres Nutzerinteresse stoßen“, sagt Westermann. Für die Reichweite an Handynutzern sind solche Spiele aber hilfreich, ansonsten setzt Verve auf News, Dating und Wetter. Ursprünglich saß das Unternehmen auf Malta. „Der Standort hat sich aber nicht gut entwickelt und fast schon ein anrüchiges Image erhalten“, sagt Westermann. Der Sitz wurde daher nach Stockholm verlagert, unter anderem weil in Schweden große Bereitschaft bestand, in junge Digital- und Tech-Unternehmen zu investieren. „Investoren in Deutschland waren und sind in diesem Bereich leider deutlich zurückhaltender“, sagt Westermann. 50 Mitarbeiter hat er am Hauptsitz, die größten Standorte sind aber Berlin mit 200 Mitarbeitern vor allem für IT und Software und Hamburg mit 100 Mitarbeitern vor allem im Verkauf sowie 200 Beschäftigten am größten Markt in den USA vor allem in New York. „Für weniger als 1 Million Dollar im Jahr bekommen Sie da heute aber kaum mehr einen KI-Fachmann“, sagt Westermann.

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