Der Pariser Fluss Seine, in dem bei den Olympischen Spielen in drei Wochen nicht nur die Eröffnungsfeier, sondern auch mehrere Schwimmwettkämpfe stattfinden sollen, ist dafür nun sauber genug. Die Qualität des Wassers habe sich ausreichend verbessert, berichten französische Medien unter Berufung auf einen Behördenbericht. Er bezieht sich demnach auf den Zeitraum vom 24. Juni bis zum 2. Juli. In der Vorwoche war die Wasserqualität noch unzureichend.

Der Plan, die Eröffnungsfeier und Wettkämpfe in der Seine stattfinden zu lassen, hatte zu Sorgen um die Gesundheit der Sportlerinnen und Sportler geführt. Der Hauptstadtfluss ist normalerweise mit Krankheitserregern verschmutzt, seit rund 100 Jahren darf dort nicht mehr gebadet werden. Den Organisatoren zufolge soll das warme Wetter dabei helfen, den Fluss sauber zu halten: Bei höheren Temperaturen und niedrigerem Wasserstand würden die Erreger schneller abgebaut.

Um die Wasserqualität zu erhöhen, wurden im Großraum Paris rund 1,4 Milliarden Euro in Kläranlagen und das Abwassersystem investiert. Sie sollen den Fluss auch nachhaltig sauber halten, spätestens nach den Spielen sollen die Pariserinnen und Pariser wieder in der Seine baden können.

Strömung könnte Ablauf der Eröffnungsfeier stören

Die Skepsis über die Pläne bleibt jedoch. Denn neben der Wasserqualität gilt auch die Fließgeschwindigkeit der Seine als Risiko. Bei der Eröffnungsfeier, die am 26. Juli erstmals in der olympischen Geschichte nicht in einem Stadion stattfinden wird, sollen 160 Boote die Mannschaften mit mehreren Tausend Athletinnen und Athleten auf einer sechs Kilometer langen Strecke entlang Pariser Sehenswürdigkeiten transportieren. Doch die Fließgeschwindigkeit soll laut einem Bericht von Libération dazu führen, dass die Boote für die Strecke 15 Minuten weniger brauchen, als es der minutiös geplante Ablauf vorsieht.

Auch für die Wettkämpfe könnte die Strömung zum Problem werden. "Das Rennen in der Seine ist von seinen Ansprüchen eine große Herausforderung", sagte etwa Schwimmbundestrainer Bernd Berkhahn. Bei Strömungsgeschwindigkeiten von etwa zwei Metern pro Sekunde "kommt man zwar schnell stromabwärts, aber nicht mehr zurück", sagte er in einem vom Deutschen Schwimm-Verband veröffentlichten Interview. "Ganz sicher sollten die Veranstalter einen Plan B haben", kritisierte Berkhahn. Von einer alternativen Austragungsstätte für die Wettbewerbe ist derzeit nichts bekannt.