Lärmschutz für Anwohner: Verein kritisiert Spielverbot auf Kunstrasenplatz
Kassel. Wenn auf anderen Sportanlagen Hochbetrieb herrscht, darf auf dem Kunstrasenplatz an der Schulstraße im Kasseler Stadtteil Bad Wilhelmshöhe nicht gekickt werden. Zum Schutz der Anwohner vor Lärm gilt sonntags mittags von 13 bis 15 Uhr ein Nutzungsverbot.
Abfinden will sich der VfL Kassel, einer der Hauptnutzer des Platzes, damit nicht. „Das Nutzungsverbot stört unseren Ablauf am Wochenende erheblich“, sagt VfL-Vorsitzender Dr. Bernd Hoppe. Deswegen bemühe er sich in Gesprächen mit seinem Parteifreund und Sportdezernent Jürgen Kaiser (SPD) um „eine vernünftige Lösung“.
Seitdem die Anlage für etwa eine Million Euro zum Kunstrasenplatz umgebaut worden ist, müssen der VfL Kassel und die TSG Wilhelmshöhe Einschränkungen hinnehmen. So darf die Zufahrt Rammelsbergstraße nicht mehr genutzt werden. Nach den Gründen fragten die Kasseler Linken kürzlich im Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Sport. Mit den Einschränkungen erschwere die Stadt ehrenamtliche Arbeit, kritisierte Kai Boeddinghaus, OB-Kandidat der Kasseler Linken. Im Namen des Magistrats wies Kämmerer Dr. Jürgen Barthel (SPD) diesen Vorwurf zurück.
Verbot auch in Nordstadt
Gerade beim Lärmschutz habe die Stadt wenig Spielraum. Grund sei die Sportanlagenlärmschutzverordnung. Ein Gutachten habe ergeben, dass die Grenzwerte nur dann einzuhalten seien, wenn etwa sieben Meter hohe und mehr als 50 Meter lange Lärmschutzwände errichtet würden, sagte Barthel. Doch eine solche Investition stehe in keinem Verhältnis. Problematisch seien nicht nur jubelnde Spieler und Zuschauer, sondern auch Pfiffe der Schiedsrichter.
Aus gleichem Grund gibt es für das Nordstadt-Stadion ein Nutzungsverbot am Sonntagmittag, sagte Gerhard Griesing vom Sportamt. Das schließe nicht aus, dass sich Fußballer schon vorher auf ihre Spiele vorbereiten dürften. Nur der Spielbetrieb müsse zwischen 13 und 15 Uhr ruhen.
Infolge des Umbaus werde der Platz an der Schulstraße nun häufiger genutzt, sagte VfL-Vorsitzender Hoppe. „Das spüren die Anwohner.“ Zugleich räumte er ein, dass es Verstöße gegeben habe. So sei zum Beispiel am Volkstrauertag gespielt worden, was nicht hätte sein dürfen. „Aber der Sportplatz war vor den meisten Anwohnern da.“
Anders als der VfL Kassel hat die TSG Wilhelmshöhe, die den Platz ebenfalls nutzt, weniger Probleme, sagte Vorstandsmitglied Klaus Grosch. Das Nutzungsverbot am Sonntagmittag sei von vornherein bekannt gewesen. Und die Zufahrt zur Sportanlage sei auch über die Wilhelmshöher Allee möglich, sagte Grosch. Für den Rettungsdienst müsse es diese Zufahrt so oder so geben.
In einem sind sich beide Vereine allerdings einig. Die für 400 000 Euro errichteten Unkleidekabinen sind viel zu klein geraten. „Ich weiß nicht, was da so teuer war“, sagte Grosch.
Von Claas Michaelis