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„Verheerende“ Situation an der Nordsee: Urlauber entdecken massenhaft tote und abgemagerte Vögel

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Eine tote Trottellumme an einem Strand der niederländischen Nordseeinsel Texel.
Eine tote Trottellumme an einem Strand der niederländischen Nordseeinsel Texel. Auch dort ist das Massensterben der Vögel bemerkbar. © M. WoikeI, blickwinkel/IMAGO

Die Zahl der toten Vögel an der Nordsee-Küste steigt seit Monaten dramatisch. Trottellummen und Tordalken liegen stark abgemagert am Strand. Experten erklären das Massensterben.

Niedersachsen – Entlang der Nordsee-Küste in Niedersachsen machen Urlauber bereits seit vielen Monaten immer wieder unschöne Funde: Massenhaft tote Vögel liegen dort an den Strandabschnitten. Während der erste Verdacht meist auf die Vogelgrippe als Todesursache fällt, zeigen die Untersuchungen von Experten: Das Vogelsterben hat einen anderen Grund. Die Ausmaße bedrohen nun eine ganze Population.

Massensterben an Nordseeküste bereits seit Monaten ein Problem

Bereits im Oktober 2023 berichtete kreiszeitung.de über die unzähligen toten Vögel an der Nordsee. Alexandra Schnurr, Pressesprecherin vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein, erklärte gegenüber IPPEN.MEDIA damals, dass es sich bei den verstorbenen Seevögeln vor allem um Trottellummen und Tordalken handele. Tests auf die Vogelgrippe, die bereits Seevogelkolonien an der Nordsee schwer zusetzte, fielen negativ aus.

Auch in Schleswig-Holstein habe sich ein ähnlich trauriges Bild ergeben. Dort wurden im vergangenen Jahr binnen weniger Wochen rund 250 tote Vögel gefunden. Doch wo liegen die Gründe für das Vogelsterben? Laut Brutvogel-Experte Florian Packmor könnten witterungsbedingte Wassertrübungen verantwortlich sein – durch diese finden die Vögel schwieriger Nahrung.

Traurige Bilanz: Allein 2024 bereits fast 800 tote Vögel an Schleswig-Holsteins Nordseeküste

Auch 2024 hat sich die Lage an der Nordsee für die Vogelarten nicht verbessert. Seit Januar wurden allein an der Küste in Schleswig-Holstein fast 800 tote Vögel gefunden, darunter Trottellummen, Tordalken und Papageitaucher. Das ist einer Statistik des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer zu entnehmen, die IPPEN.MEDIA auf Anfrage erhalten hat. Vogelexperte Bernd Häterlein merkt an, dass die Daten nur bedingt repräsentativ für die ganze Nordseeküste sind. Aus Sylt, Amrum und den Halligen liegen dem Experten zufolge nur wenige Informationen vor. Außerdem würden viele Strandabschnitte in kurzen Abständen von Kurverwaltungen geräumt werden – wie viele verstorbene Vögel dabei beseitigt werden, werde nicht mitgeteilt. Zuletzt sorgten auch massenhaft tote Quallen an der Nordsee für ein seltenes Naturspektakel.

In einem Beitrag des NDR sprachen Experten zuletzt von einer „verheerenden“ Situation. Die Experten fürchteten, die Population der Vogelart, die auf den ersten Blick Pinguinen ähnelt, sei aufgrund des Massensterbens gefährdet. Hälterlein stellt jedoch klar: Bei den in Schleswig-Holstein gefundenen Vögeln handele es sich nicht um Trottellumme der einzig deutschen Kolonie auf der Nordsee-Insel Helgoand, sondern überwiegend um britische Brutvögel. Rund 2.000 bis 2.500 Brutpaare brüten jährlich auf Helgoland. Für Vogelexperte Hälterlein jedoch auffällig im Vergleich zum vergangenen Jahr: „Waren es damals fast ausschließlich Trottellummen, war jetzt besonders bemerkenswert, dass auch sehr viele Tordalken gestorben sind.“

Massensterben an Nordsee: Tote Vögel waren alle unterernährt – Klimawandel und Überfischung als Ursache

Trottellummen ernähren sich hauptsächlich von kleinen Schwarmfischen wie Heringen und Dorschen. Die Vögel erbeuten ihre Nahrung im Meer, müssen dafür meist nicht tief tauchen. Die toten Vögel an der Nordsee haben vor allem eins gemeinsam: Sie sind stark abgemagert. Experte Hälterlein teilt mit, dass das Massensterben vermutlich einer Kombination aus Unterernährung, Parasitenbefall im Magen-Darm-Trakt und den Folgen von Schlechtwetterphasen zugrunde liegt. Die Gründe hierfür liegen zum einen in der Überfischung, aber auch im Klimawandel. Durch immer öfter auftretende und stärkere Stürme schwimmen die Fische weiter unten als bisher, was den Vögeln die Nahrungssuche deutlich erschwert.

Wie der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer weiter mitteilt, wurden alle im Winter 2023 und 2024 tot gefundenen Vögel negativ auf die Vogelgrippe getestet. Das Vogelsterben scheint sich nun jedoch, zumindest für diesen Winter, dem Ende zu neigen: „Mit einer Ausweitung des Geschehens muss wohl derzeit nicht mehr gerechnet werden“, erklärt Bernd Hälterlein gegenüber IPPEN.MEDIA. Erst kürzlich sorgte eine Entdeckung im Wattenmeer bei Biologen für Begeisterung.

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