Nur zwei Kilometer entfernt: „Amerika“ und „Rußland“ liegen in Niedersachsen nah beieinander
Von Amerika bis Russland ist es nicht gerade ein Katzensprung. Doch in einem Ort in Niedersachsen liegen diese beiden nur zehn Gehminuten entfernt.
Friedeburg – Geografisch, politisch und in vielen andern Kategorien trennen Amerika und Russland Welten. Nicht so jedoch in Niedersachsen. Hier trennen „Amerika“ und „Rußland“ nur zwei Kilometer. Denn beides sind Ortsteile des Ortes Friedeburg, das selbsternannte „grüne Tor zur Nordsee“, im Landkreis Wittmund.
Man kann buchstäblich von Amerika nach Rußland spazieren, und das innerhalb von zehn Gehminuten. Zum Vergleich: Die Luftlinie zwischen den beiden Hauptstädten der USA und der russischen Föderation, Washington und Moskau, beträgt gut 7.800 Kilometer. Und umsteigen muss man auch noch. Übrigens: auch das „Paradies“ liegt in Niedersachsen.
Friedeburg in Niedersachsen: Es gibt die Ortsteile Rußland und Amerika
Viel einfacher geht eine Reise von Amerika nach Rußland in Friedeburg. Entstanden sind die beiden Ortsteile in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Wie sie jedoch zu ihren ungewöhnlichen Namen kamen, darüber herrscht keine Einigkeit. Bei „Amerika“ handelte es sich wohl zuerst um einen Scherznamen. Laut der Tourismuswebsite des Ortes Friedeburg war das Gebiet noch nicht erschlossen und musste zunächst urbar gemacht werden.
| Ortsteile | Rußland und Amerika |
| Ort | Friedeburg |
| Landkreis | Wittmund |
| Region | Ostfriesland |
| Bundesland | Niedersachsen |
| Entfernung der Ortsteile | Ca. 2 Kilometer |
Während viele arme Menschen ihr Glück in der Neuen Welt und somit im echten Amerika suchten, gab es auch in diesem Gebiet Siedler, die erhebliche Anstrengungen durchmachen mussten, um sich etwas aufzubauen, wie eben im Wilden Westen. Die Siedler hatten „ihr“ Amerika aber zu Hause in Niedersachsen.
Rußland in Friedeburg in Niedersachsen: Viele Theorien über den Namensursprung
Über den Ursprung des Ortsteilnamens Rußlands gibt es mehrere Theorien. Dort soll laut der Tourismuswebsite vor über 100 Jahren ein armer Bauer gelebt haben, der „wegen seiner Lebensweise und seines rauen Auftretens“ nur „Russe“ genannt wurde. Eine andere Theorie besagt demnach, dass der Ortsteil besonders karg war und schlecht zu bewirtschaften, genau so, wie sich die Menschen die unwegsamen Gegenden Russlands vorstellten.
Und eine dritte Theorie geht gar nicht von einem Zusammenhang mit dem Land im Osten aus, sondern mit Ruß. Die ersten Bewohner arbeiteten laut dem Autor und Dialektforscher Arend Remmers dort als Köhler und wurden als „Rußmeister“ oder eben „Russen“ bezeichnet.
Ortsschilder in Rußland und Amerika in Friedeburg werden oft fotografiert
Die beiden Ortsschilder, die Rußland und Amerika als offizielle Namen ausweisen, erfreuen sich bei Schnappschussjägern großer Beliebtheit. Auch eine überdimensionale Matroschka sowie ein indianischer Marterpfahl waren dort bereits zu entdecken – natürlich erstere (anlässlich der Fußball-WM 2018) in Rußland, zweiterer in Amerika.
Die Herkunft des Namens der eigentlichen Ortschaft ist da schon klarer: Friedeburg (plattdeutsch: Freeborg) heißt so, weil dort die Friedeburg stand, die 1359 errichtet wurde. Bis zu ihrer Zerstörung war diese die größte Festungsanlage in ganz Ostfriesland. Heute ist von ihr aber nur noch der Burgstall erhalten. Mit knapp über 10.000 Einwohnern ist Friedeburg die drittgrößte Stadt in Ostfriesland.
Die größte Stadt in der Nähe Ostfrieslands ist Bremen. Auch der größte frei stehende Bunker Deutschlands steht dort. (cgsc)