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Ausland In ukrainischem Grenzgebiet

Militärflugzeug abgestürzt – Kiew bestätigt geplatzten Gefangenenaustausch

Russisches Militärflugzeug mit über 70 Menschen an Bord abgestürzt

Ein russisches Militärtransportflugzeug mit mehr als 70 Menschen ist am Mittwoch über dem Gebiet Belgorod an der Grenze zur Ukraine abgestürzt. Unsere Reporter Christoph Wanner und Paul Ronzheimer fassen die Lage zusammen.

Quelle: WELT TV

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Ein russisches Militärtransportflugzeug ist über dem Gebiet Belgorod abgestürzt. Moskau behauptet, an Bord hätten sich ukrainische Kriegsgefangene befunden. Die Ukraine warnt hingegen vor „nicht verifizierten Informationen“. Kiew bestätigte am Abend einen geplatzten Gefangenenaustausch.

Ein russisches Militärtransportflugzeug ist an der Grenze zur Ukraine abgestürzt. Alle 74 Insassen an Bord der Iljuschin Il-76 seien getötet worden, teilte das russische Verteidigungsministerium am Mittwoch mit. Die Maschine sei von der Ukraine abgeschossen worden. Unabhängige Angaben gab es nicht, wen oder was das Flugzeug transportierte.

Laut Verteidigungsministerium in Moskau sollen 65 ukrainische Kriegsgefangene an Bord gewesen sein, die zu einem Austausch am Grenzübergang Kolotilowka geflogen werden sollten. Außerdem seien sechs Mann Besatzung und drei Begleitpersonen in der Maschine gewesen. Für diese Angaben gab es zunächst keine Bestätigung. Kiew bestätigte die russischen Angaben nicht.

Geheimdienst hat „keine zuverlässigen Informationen“ über Passagiere

Der ukrainische Militärgeheimdienst hat nach eigenen Angaben „keine zuverlässigen Informationen“ über die Passagiere des Flugzeugs. „Wir haben derzeit keine zuverlässigen und vollständigen Informationen darüber, wer oder wie viele Personen an Bord des Flugzeugs waren.“ Das ukrainische Koordinationshauptquartier für die Behandlung von Kriegsgefangenen warnte vor dem Weiterleiten „nicht verifizierter Informationen“. Die Meldungen zum Absturz würden geprüft.

Laut ukrainischem Geheimdienst war für Mittwoch ein Austausch von Gefangenen geplant, der aber „nicht stattgefunden“ habe. Kiew sei „nicht darüber informiert worden“, dass der Luftraum in dem Gebiet gesichert werden müsse, hieß es in einer Erklärung. Die Ukraine habe ihrerseits alle Vereinbarungen eingehalten und die russischen Soldaten pünktlich zum Austauschort gebracht, teilte der Geheimdienst mit.

Weiter hieß es: „Gemäß der Vereinbarung musste die russische Seite die Sicherheit unserer Verteidiger gewährleisten. Zugleich wurde die ukrainische Seite nicht über die Notwendigkeit informiert, die Sicherheit des Luftraums im Gebiet um die Stadt Belgorod in einem bestimmten Zeitraum zu gewährleisten, so wie das in der Vergangenheit mehrfach getan wurde.“

In sozialen Medien kursiert ein Video, das den Moment des Absturzes zeigen soll. Zu sehen ist eine Detonation in großer Entfernung, nach der eine riesige schwarzgraue Wolke in den Himmel aufsteigt. Der Absturz wurde auch von ukrainischer Seite bestätigt.

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Die Agentur Interfax Ukrajina meldete unter Berufung auf Militärquellen, es sei ein Flugzeug abgeschossen worden – allerdings nach dessen Start von Belgorod. Die Il-76 startete nach russischen Angaben allerdings am Flugplatz Tschkalowski in der Nähe von Moskau.

Russland wirft Kiew Einsatz von Flugabwehrraketen vor

Die Iljuschin sei von der Ukraine mit westlichen Flugabwehrwaffen abgeschossen worden, erklärte das russische Verteidigungsministerium. Ebenso äußerte sich der Chef des Verteidigungsausschusses im russischen Parlament, Andrej Kartapolow, in Moskau.

„Die ukrainische Führung wusste bestens über den geplanten Gefangenenaustausch Bescheid, wurde darüber informiert, wie die Gefangenen transportiert werden“, sagte Kartapolow. Beweise für seine Darstellung legte er nicht vor.

Eine Feuerwolke stieg über der Absturzstelle in den Himmel
Eine Feuerwolke stieg über der Absturzstelle in den Himmel
Quelle: AP

Eine weitere Maschine vom Typ Il-76 mit 80 weiteren Gefangenen an Bord sei nach dem Abschuss umgekehrt, sagte Kartapolow weiter. Insgesamt hätte es einen Austausch von 192 Ukrainern gegen 192 russische Gefangene geben sollen, der nun gescheitert sei.

Abgeschossen worden sei die Maschine mit drei Flugabwehrraketen entweder des US-Systems Patriot oder des deutschen Systems Iris-T, behauptete Kartapolow weiter. Das russische Verteidigungsministerium sprach davon, dass zwei Raketenabschüsse geortet worden seien. Der Abschussort liege bei Lipzy im ostukrainischen Gebiet Charkiw, etwa 100 Kilometer von der Absturzstelle entfernt.

Die Absturzstelle lag nach russischen Angaben bei dem Ort Jablonowo. Dieser liegt 50 Kilometer nordöstlich von Belgorod wie auch etwa 50 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.

Experten bezweifeln Einsatz von Iris-T-Raketen

Zumindest die offiziell angegebene Reichweite der Iris-T ist allerdings geringer als die Entfernung zur Grenze. Experten bezweifeln zudem, dass die Ukraine die teuren Flugabwehrsysteme direkt an der Grenze aufgestellt hat, wo sie für andere russische Waffensysteme leicht zu bekämpfen sind.

Fakt ist aber, dass es der Ukraine in jüngster Zeit immer wieder gelungen ist, russische Militärmaschinen abzuschießen oder zu beschädigen. Erst jüngst verlor Moskau einen Frühwarnaufklärer vom Typ A-50. Angeblich konnte die Ukraine seit Beginn des Angriffskriegs über 300 Militärflugzeuge sowie weitere 300 Helikopter der Streitkräfte Moskaus zerstören.

Plane takes Belgorod strike victims to Moscow
Bei dem Flugzeug handelte es sich um eine Maschine vom Typ Iljuschin Il-76
Quelle: picture alliance/dpa/TASS/Alexei Shtokal

Denkbar ist auch, dass die Il-76 durch einen technischen Defekt oder Eigenbeschuss abgestürzt ist. Ungeklärt sind bis heute auch die genauen Umstände beim Absturz eines sonst als extrem zuverlässig geltenden Geschäftsreisejets im August 2023, bei dem unter anderem Wagner-Söldnerführer Jewgeni Prigoschin getötet wurde. Zwei Monate zuvor hatte Prigoschin einen kurzen Aufstand angeführt, den Putin als „Verrat“ bezeichnete.

Sollten bei dem Absturz wirklich 74 Menschen gestorben sein, wäre es das schwerste Unglück des Frachtflugzeugmodells seit Jahren. Der letzte Unfall mit Todesopfern geschah im September 2023, als eine Iljushin 76TD der Luftwaffe von Mali am Flughafen von Gao über die Landebahn hinausschoss und in Flammen aufging. Dabei sollen zwei Menschen gestorben sein. Angeblich war das Flugzeug für die russische Söldnertruppe Wagner unterwegs. Das schwerste Unglück mit dem Flugzeug ereignete sich im April 2018, als ein Modell der Luftwaffe von Algerien kurz nach dem Start abstürzte. Alle 257 Menschen an Bord, hauptsächlich Militärangehörige, starben.

Das Iljushin-Modell Il-76 ist ein großes, schweres Transportflugzeug mit vier Triebwerken und gut 50 Meter Spannweite. Seit rund 50 Jahren läuft die Serienproduktion. Nahezu 1.000 Exemplare wurden seit 1973 gebaut.

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dpa/AFP/AP/sos/krott/heg/shem/sebe/con