Die Auswirkungen der Bauern-Blockaden auf eine Facharztpraxis in Salzwedel
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Die Trecker-Blockaden haben auch Auswirkungen auf Haus- und Facharztpraxen. Chirurg Dr. Jens Ruff schildert, wie sich die Blockade-Woche auf seine Praxis ausgewirkt hat. „Es trifft einfach die Falschen“, sagt er im AZ-Gespräch.
Salzwedel – Bei aller Sympathie für die Landwirte – die Konsequenzen der Blockaden „werden denjenigen aufgebürdet, die auf Seiten der Bauern stehen“, sagt Dr. Jens Ruff. Für ihn geht der Protest in die falsche Richtung, wenn seine Patienten die ohnehin schwer zu bekommenden Termine für ambulante OPs in seiner Salzwedeler Praxis nicht wahrnehmen können. „Das ist für alle Seiten sehr ärgerlich“, betont Dr. Ruff. Denn auch der Ablauf in der Praxis gerät dadurch durcheinander mit der Folge, dass die Patienten noch länger auf einen Termin warten müssen.
Die Konsequenzen der Blockaden werden denjenigen aufgebürdet, die auf Seiten der Bauern stehen.
Taucht der eine oder andere Patient später als geplant in der Praxis auf, weil er die Blockaden umfahren hat oder durchgelassen wurde, führt das zu Wartezeiten und Verschiebungen „mit der Folge, dass es keine Mittagspausen gibt und die Schwestern länger arbeiten müssen“. Die ganze Praxisorganisation gerate durcheinander. Aktuell warten Ruffs Patienten etwa sechs bis acht Wochen auf einen regulären OP-Termin. „Notfälle kommen natürlich schnellstmöglich dran“, betont der Chirurg.
Die aus der Not geborene Initiative dieser Blockade-Woche, dass Krankenhäuser, Arztpraxen und Hebammen mit extra ausgestellten Bescheinigungen von den Treckerfahrern durchgelassen werden, verursacht bei dem Mediziner Kopfschütteln: „Wo kommen wir da hin?“
Was er nicht versteht: Die Bauern haben, wie jeder Berufsstand, eine Interessenvertretung, in der sie organisiert sind. Und: „Es gibt in jedem Wahlkreis Abgeordnete, sowohl im Land- als auch im Bundestag, die für die Probleme der Landwirte Ansprechpartner sind.“ Diese Wege wären doch erst einmal zu gehen.
Die Blockaden indes träfen – in seinem Fall – Menschen, die lange auf einen Facharzttermin gewartet und sich darauf vorbereitet und eingestellt haben. „Die Patienten geraten durch die aktuelle Situation in Stress, sind erregt und aufgeregt – das kann so nicht richtig sein“, sagt der 53-Jährige, der nach langer Tätigkeit im Salzwedeler Altmark-Klinikum seit zweieinhalb Jahren selbstständig in der Stadt praktiziert.
„Es trifft einfach die Falschen.“ Der Mediziner glaubt nicht, dass sich die Landwirte mit den Blockaden einen Gefallen getan haben. „Mir fehlt der demokratische Weg.“ Der Arzt ist „froh, dass diese Blockade-Woche vorbei ist“ und seine Patienten hoffentlich wieder ungehindert zu ihren Terminen kommen können.