会話

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Tic Tac Toe waren Mitte der 1990er wahnsinnig erfolgreich; waren Schwarz, feministisch, haben antirassistische und antiklassistische Texte gemacht – doch keiner erinnert sich mehr daran. Die Frage ist also: Wie kann das sein? Aber der Reihe nach.
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Die Idee zu der Gruppe hatte Claudia A. Wohlfromm, ihre spätere Managerin, weil ihr immer irgendwelche Chefs von Plattenfirmen erzählen wollten, was gute Musik sei. Sie kannte Liane Wiegelmann ("Lee"), 20, aus Iserlohn, die anderen beiden sprachen sie später an.
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Thorsten Börger war der Texter der Band – er goss das Leben von Lee, Ricarda Wältken (Ricky), Marlene Tackenberg (Jazzy) in Texte und Musik, Wohlfromm war Mit-Texterin und wusste, wo sich die Band hinentwickeln sollte. Und Lee, Ricky und Jazzy verkörperten diese Vision.
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Es ging in den Liedern um Kindesmissbrauch ("Bitte küss mich nicht"), um den Drogentod einer Freundin ("Warum?"), um Kapitalismuskritik ("Haste was, biste was). Um das, was man heute Tone-Policing nennt ("Wenn ich Arschloch denk, will ich nicht Blödmann sagen").
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Um toxische Männlichkeit ("Große Jungs weinen nicht") und rassistische Stereotype ("Wer hat Angst vor Schwarzen Frauen? Dann mach dich doch nicht selbst zum Clown"). Um Menstruation ("Ich fühl mich always ultra"), Verhütung (Leck mich am ABZeh), um Frauen, die Spaß am Sex haben.
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Das war Mitte der Neunziger. Da gab es noch nicht mal Sex and the City und Vergewaltigung in der Ehe war noch legal. Ihr erstes Lied, "Ich find dich scheiße", hätte die Plattenfirma gern noch in "Ich find dich klasse" umbenannt, Radiosender boykottierten den Song anfangs.
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Mit Tic Tac Toe konnten sich junge Menschen identifizieren, die sonst kaum Raum in der Gesellschaft hatten: Junge Frauen, Schwarze, People of Color; alle, die sprachen wie sie. Doch spielt die Band heute in Debatten um Rassismus, Feminismus, Klassismus kaum eine Rolle. Warum?
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Dafür muss man zurück schauen: Je erfolgreicher die Band wurde, desto mehr wühlten Journalist:innen in der Vergangenheit der drei Frauen. Bei Liane Wiegelmann (Lee) fanden sie, was sie suchten: Erfahrungen mit Drogen, Alkohol, Gewalt, Tod, schon als Teenagerin.
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Eine Freundin von ihr, drogenabhängig, beging Selbstmord. Das Lied "Warum?" handelt davon. Bevor sie 18 war, hatte Wiegelmann für einige Wochen in einem Bordell gearbeitet. Als das raus kam, brachte die Bild es groß auf der Titelseite: "Die Wahrheit ist so bitter".
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