Nach dem Skandal um die Maßlosigkeit der mittlerweile ehemaligen rbb-Intendantin Patricia Schlesinger, berichtet „Business Insider“ nun auch über interne Querelen beim NDR in Kiel. Demnach haben sich seit 2020 insgesamt neun Mitarbeiter persönlich beim Redaktionsausschuss des NDR über „teilweise verhinderte Berichterstattung“ beschwert. Die Stimmung in der Abteilung sei vergiftet. Die Vorwürfe konzentrieren sich dabei auf den Programmbereich Fernsehen und die trimediale Abteilung „Politik und Recherche“.
„Kritische Informationen werden heruntergespielt, Autoren abgezogen und Beiträge in den Abnahmen massiv verändert“, heißt es in einem vertraulichen Bericht.
Führungskräfte würden, so die Vorwürfe, wie „Pressesprecher der Ministerien“ agieren, gewisse Themen frühzeitig ablehnen. Es gebe einen „politischen Filter“. Eine NDR-Sprecherin bestätigte, dass Intendant Joachim Knuth über die Beschwerden informiert war. Der Vorgang sei „aus Sicht des Redaktionsausschusses, des beteiligten Mitarbeiters und des zuständigen Programmbereichs aufgearbeitet und abgeschlossen“, die kritischen Schilderungen hätten sich als „nicht zutreffend erwiesen“. Der Austausch über die Vorwürfe dauere aber „bis heute an“.
„Daniel“ oder „Heiner“
Konkret sei es unter anderem um einen kritischen Bericht über Ministerpräsident Daniel Günther in der Causa um den 2020 zurückgetretenen Innenminister Hans-Joachim Grote gegangen, der von Ressortchefs entschärft worden sei.
„Es werde teilweise nicht vom Ministerpräsidenten Daniel Günther oder seinem Stellvertreter Heiner Garg, sondern von „Daniel“ oder „Heiner“ gesprochen“, so der Bericht.
Die Chefredaktion führe Einzelgespräche mit allen Mitarbeitern. „Auch der Redaktionsausschuss führt weitere Gespräche im Landesfunkhaus“, so eine NDR-Sprecherin zu „Business Insider“.