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Freitag, 02.11.2018


Lebenshilfe Nürnberg: AfD-Mitgliedern droht Kündigung

Organisation will keine Mitarbeiter, die Rechtspopulismus unterstützen - 02.11.2018 05:47 Uhr

Ob Firmenfeste oder Privatfeiern: Das Catering Toleranz, eine Tochter der Lebenshilfe Nürnberg, hat für jeden Anlass etwas zu bieten.

Ob Firmenfeste oder Privatfeiern: Das Catering Toleranz, eine Tochter der Lebenshilfe Nürnberg, hat für jeden Anlass etwas zu bieten. © Lebenshilfe Nürnberg


Ein Blick reicht, um das Schaubild "Kennziffern der Menschlichkeit" zu verstehen. Es ist eine Erfolgsgeschichte, die die Lebenshilfe Nürnberg präsentiert. Mit Zahlen, die sich sehen lassen können. Im Jahr 2002 waren 623 Mitarbeiter angestellt, 2017 waren es schon 1600, darunter 218 Menschen mit Behinderung. Der 1961 von Eltern behinderter Kinder gegründete gemeinnützige Verein möchte seinen Wurzeln treu bleiben und kein Sozialunternehmen werden, wie sein Vorstandsvorsitzender Horst Schmidbauer betont.

Hohe Personalkosten

Die Selbsthilfe- und Elternorganisation hat 2017 für ihre Arbeit 42,6 Millionen Euro ausgegeben. Im Vergleich: 2002 waren es 24,5 Millionen. 75 Prozent der Kosten werden für das Personal verwendet. "Auf die Größe betrachtet, spielen, besser gesagt: arbeiten wir in einer anderen Liga, als wir vor Ort wahrgenommen werden", sagt Schmidbauer und bemängelt: "Leider hat die Wahrnehmung innerhalb der Organisation und in der Öffentlichkeit nicht mit unserem Engagement für die Menschen in Nürnberg Schritt gehalten."

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Die Arbeit der Lebenshilfe erstreckt sich von der geburtshilflichen Abteilung des Klinikums mit dem Projekt Harl.e.kin-Nachsorge bis zur aktiven Hospizarbeit für Menschen mit Behinderung. 2017 förderte der Verein 2900 Betroffene. Schmidbauer geht es vor allem darum, ihnen Wahlmöglichkeiten in sämtlichen Lebenslagen anzubieten – von der Schule über die Ausbildung und Arbeit bis zum Thema Wohnen.

Zwei Millionen Umsatz beim Catering

Stellvertretend für das Wachstum der Lebenshilfe steht ihre Tochtergesellschaft "Catering Toleranz" mit zwei Millionen Euro Umsatz pro Jahr. 2500 Essen gehen am Standort in der Fürther Straße und an der Bertolt-Brecht-Schule täglich raus. Von dort aus versorgt der Caterer neben der Schule auch neun weitere Gymnasien. Darüber hinaus bewirtet "Catering Toleranz" bei Firmenfesten sowie Privat– und Weihnachtsfeiern.

Besonders stolz sind die Geschäftsführer Rainer Freund und Stephan Mitesser darauf, dass einer ihrer Azubis mit Behinderung die von der IHK anerkannte Ausbildung zum Koch gemeistert hat. "Diese Leistung kann nicht hoch genug bewertet werden", schwärmt auch Schmidbauer.

Neues Café an der Norikusbucht

Mit der Stadt laufen Verhandlungen, weil die Lebenshilfe ab Oktober 2019 ein Café am Nordufer der Norikusbucht betreiben soll. Erfahrung haben die Mitarbeiter(innen) reichlich. Seit 2010 catern sie in der HypoVereinsbank am Lorenzer Platz und sind sichtlich stolz darauf.

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Ein anderes Thema verfolgt Schmidbauer dagegen mit Entsetzen. So werde in der Gesellschaft plötzlich wieder über die Frage diskutiert, ob es unwertes Leben gibt. Eltern von Kindern mit Down-Syndrom müssten sich fragen lassen, wie es mit Blick auf Gentests in der heutigen Zeit überhaupt noch sein könne, dass es behinderte Menschen gibt.

Auf ihrer Mitgliederversammlung hat sich die Lebenshilfe Nürnberg kürzlich dem Grundsatzbeschluss ihrer Bundesvereinigung angeschlossen, nach dem die von der AfD vertretenen politischen Ziele mit den Werten der Lebenshilfe unvereinbar sind. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass Mitarbeiter auch AfD-Mitglied sind, soll im Einzelfall geprüft werden, ob sie die teils rechtspopulistischen, völkischen und rechtsextremen Haltungen der Partei unterstützen. Wenn sie sich dazu bekennen, drohe ihnen die Kündigung, hieß es. 

Johannes Handl

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MPK Bronski schrieb am 02.11.2018, 17:43

@ ProNoid:

P.S.:

Das Hinterfragen der Entwicklung von mehr oder weniger sozialen Einrichtungen, die über ihr Image idealisiert werden, hat nichts mit braun oder blau zu tun und ist gegen rosarot.

Die Werkstattlöhne in Deutschland wurden bereits von der UN kritisiert.

MPK Bronski schrieb am 02.11.2018, 17:33

@ ProNoid:
"Laut Statistik des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zur Rentenversicherung von Menschen mit Behinderungen in Werkstätten betrug im Jahr 2016 das durchschnittliche monatliche Arbeitsentgelt eines Werkstattbeschäftigten etwa 180 Euro. Darin enthalten sind 26 Euro Arbeitsförderungsgeld (AFöG) (seit 01.01.2017: 52 Euro), 75 Euro Grundbetrag (seit 01.08.2016: 80 Euro) und ein durchschnittlicher Steigerungsbetrag von 79 Euro pro Monat."
https://www.bagwfbm.de/page/101

Beliefert wird vornehmlich die Industrie.

Jedes in Deutschland gebaute Auto enthält Teile aus Werkstätten der Lebenshilfe. Es ist also sehr effizient auf Kosten der behinderten Menschen.

Dass die Kosten für Heimplätze sehr weit über den tatsächlichen Kosten liegen, wird schon lange von Experten kritisiert. Aber Kirchen und Aktionäre haben eine große Lobby.

Im Gegensatz zu einer privaten Luxuskarosse ist, dass diese Leistungen vom Steuer- und Sozialversicherungszahler erbracht werden müssen.

Kaum ein Senior kann sich diese Tarife nach einem harten Arbeitsleben leisten, so dass die Grundsicherung ergänzend zahlen muss.

112.- € Barbetrag für die Bewohner, von denen auch noch Eigenbeteiligungen für medizinische Leistungen zu erbringen sind.
.....dient dazu, sich z.B. besondere Getränke, gewünschte Genussmittel, individuelle Körperpflegemittel u.ä. zu kaufen oder kleine Anschaffungen, Geschenke, Friseurbesuch, Zuzahlung zu Medikamenten u.ä. zu finanzieren."
https://www.biva.de/beratungsdienst/barbetragsverwaltung/

Nun, wo bleibt hier der große Aufschrei, wo bleiben hier die großen Solidaritätsdemos?







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Glubberer aus Leidenschaft schrieb am 02.11.2018, 17:00

Im übrigen bleibt festzuhalten das die reine Mitgliedschaft in der AfD an sich kein Kündigugnsgrund ist. Sollte das Verhalten des Mitarbeiters (und dazu gehören natürlich auch Äußerungen zu diversen Themen) den Betriebsfrieden zu sehr stören dann ist eine Kündigung sehr wohl möglich.

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Glubberer aus Leidenschaft schrieb am 02.11.2018, 16:45

Also Fakt ist ja wohl das die AfD gegen Inklusion ist. Gleichzeitig wird auf übelste Art und Weise versucht einen Zusammenhang zwischen Migration, Behinderung und -Inzest herbeizuführen. Anders ist die Anfrage der AfD im Bundestag über die die Süddeutsche Zeitung berichtet hat nicht zu erklären. http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/19/016/1901623.pdf Wenn ich sowas lese muss ich ko.... @MPK Bronski: Die übliche Taktik der AfD: Einfach mal mit unbewisenem Dreck schmeissen und fakenews in den Raum werfen. Dummerweise sind Sie nicht in Ihrer Filterblase sondern in einem öffentlichen Forum. Da zieht das nicht so ganz.

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Tom1968 schrieb am 02.11.2018, 16:32

@68erfranke.Und Sie wollen ein Demokrat sein. Alle AFD Wähler sind Rassisten? Was bilden Sie sich eigentlich ein. Ich persönlich habe die AFD nicht gewählt. Wie verbohrt sind Sie eigentlich? Sie und ihresgleichen sind doch verantwortlich für den Aufstieg der AFD, sich an Flughäfen stellen und gegen die Abschiebung krimineller Flüchtlinge zu demonstrieren etc. In unserem Land läuft doch langsam alles aus dem Ruder. Im übrigen habe ich nichts gegen Flüchtlinge die sich hier anpassen und integrieren wollen, diese sollte man schützen in dem man die faulen Eier aussortiert. Und genau das und nicht mehr wollen meiner Meinung nach mindestens 80% der AFD Wähler. Und der Rest war schon immer rechts und wird es auch bleiben egal ob die Partei AFD, NPD oder Republikaner heisst.

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