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Deutschland

Ex-Außenminister Gabriel fand Flüchtlingspolitik der SPD „naiv“

| Lesedauer: 2 Minuten
Ex-Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) begrüßt die Flüchtlingspolitik der aktuellen SPD-Spitze Ex-Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) begrüßt die Flüchtlingspolitik der aktuellen SPD-Spitze
Ex-Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) begrüßt die Flüchtlingspolitik der aktuellen SPD-Spitze

Quelle: dpa/AFP/Archiv

Der ehemalige SPD-Chef Sigmar Gabriel hält eine realistische Flüchtlingspolitik für notwendig. Er zeigt sich unzufrieden über Teile der Partei, die ihn für Vorschläge in diese Richtung kritisiert hätten - das habe sich nun geändert.

Der langjährige SPD-Chef Sigmar Gabriel hat seiner Partei vorgehalten, in der Flüchtlingspolitik zu naiv gewesen zu sein. Zugleich begrüßte er die Klarstellung der neuen Parteivorsitzenden Andrea Nahles, die für ihren Satz „Wir können nicht alle aufnehmen“ in Teilen der SPD heftig kritisiert wird.

„Ich kann nur allen raten, sich die Lebenswirklichkeit im Land sehr aufmerksam anzuschauen“, sagte Gabriel den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die Debatte sei absolut notwendig. „Und ich freue mich, dass die Parteivorsitzende der SPD mittlerweile einen wesentlich unideologischeren Zugang zu dem Thema hat. Das war nicht immer so.“ Nahles habe nun eine Binsenwahrheit ausgesprochen. „Und immer noch gibt es Streit über diesen Satz.“

Er könne für sich in Anspruch nehmen, sagte Gabriel, nach 2015 als damaliger SPD-Chef und Vizekanzler die Schattenseiten der hohen Zahl geflüchteter Menschen benannt zu haben. „Darauf habe ich sehr früh hingewiesen und zu Realismus aufgefordert. Dafür habe ich viel Kritik gerade auch in meiner eigenen Partei einstecken müssen, weil die Stimmung damals eine relativ unpolitische und naive war. Dort liegen unsere eigentlichen Fehler.“

Naive Flüchtlingspolitik nutze Populisten

Gabriel hatte seinerzeit einen Solidarpakt vorgeschlagen, damit der Staat sich genauso um die Sorgen der Einheimischen kümmert wie um die der Flüchtlinge. „Die SPD hat sich gescheut, das zu tun, weil sie Angst hatte vor dem Vorwurf, damit bedienst du die Vorurteile. Aber wenn eine Partei sich nicht damit befasst, dann gibt es ein Repräsentationsdefizit, das Populisten nutzen“, sagte er.

Die in ihrer Existenz bedrohte SPD muss sich nach Ansicht Gabriels als Partei der Digitalisierung neu erfinden. „Die Sozialdemokratie ist mit der ersten industriellen Revolution groß geworden. Welche Haltung hat die Partei zur vierten industriellen Revolution?“ Die Reformansätze dürften sich nicht „in liberalen und in Teilen elitenbezogenen Diskursen“ erschöpfen. „Sonst ergeht es uns so wie den Demokraten in den USA.“ Die Digitalisierung biete zum ersten Mal auch die Chance, Freiheitsspielräume nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Beschäftigte zu nutzen. „Das auszubauen und nicht defensiv zu sagen, wir brauchen ein solidarisches Grundeinkommen, einige arbeiten 70 Stunden, andere gar nicht und bekommen dafür 1500 Euro, das ist fast schon ein euphorisierendes Thema.“

ara

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vor 2 Stunden
Zu wenig, zu spät, Herr Gabriel...

vor 2 Stunden
Wenn er die flüchtlingspolitik seiner Partei naiv bezeichnet, dann meint er doch wohl auch sich selbst. Ich kann mich zumindest in seiner Zeit als parteivorsitzende an keine entsprechenden Äußerungen erinnern.

vor 2 Stunden
Nichts für ungut, Herr Gabriel, SPD und "Lebenswirklichkeit" sind nun einmal, vor allem unter dem alten und auch unter der neunen SPD-Vorsitzenden, etwas völlig Diametrales

vor 2 Stunden
Sind wir jetzt also an dem Punkt angekommen, wo es keiner gewesen sein will und die Verantwortlichen den schwarzen Peter rumreichen? Ist ja putzig.

vor 3 Stunden
... wenn das so weitergeht, werden wir bald sogar die Frau Bundeskanzler raunen hören: "Ich habe immer gewarnt. Hättet ihr bloß auf mich gehört!" Keiner der Politiker will noch die klebrige Schuld an dem Elend tragen. Und doch werden sie sie nicht mehr los. Mir kommt immer wieder der hellsichtige Satz v. Witzlebens in den Sinn, daß das empörte und gequälte Volk sie durch den Kot der Straßen ziehen werde.

vor 3 Stunden
Ist das der Gabriel, der Anfang September 2015 kurz nach der „Budapester“ Grenzöffnung am 4. September 2015 mit einem „Refugees Welcome – Wir helfen“-Button (eine Aktion der Bild-Zeitung) auf der Regierungsbank im Bundestag saß. Und das, obwohl dort sonst solche Parolen verboten sind. Wenige Wochen, nachdem er mit seinem Button noch unbegrenzte Zuwanderung propagierte, warf er der Kanzlerin vor, eine Million Flüchtlinge „eingeladen“ zu haben. Der Gabriel, der den österreichischen Außenminister Sebastian Kurz sowie Ungarn für deren Initiative zur Abriegelung der Balkanroute immer wieder kritisierte, vor „drohenden nationalen Alleingängen“ in der Flüchtlingskrise warnte, vor „Scheinlösungen, die die europäische Debatte vergiften“. Quelle Bayernkurier Usw.

vor 3 Stunden
Das hätte der gute Mann mal sagen sollen, als er noch in Amt und Würden war. Damals fehlte ihm jedoch für seine Ehrlichkeit der Mut bzw. der Opportunismus siegte ...

vor 3 Stunden
Naive Flüchtlingspolitik nutzt Populisten . Na dann Herr Gabriel, wohl alles falsch gemacht !

vor 3 Stunden
Gehörte Gabriel nicht auch zu denjenigen in seiner Partei, die Transitzonen an der Landesgrenze zur Feststellung der Identität und der schnellen Rückführung bei Aussichtslosigkeit des Asylantrags als Inhaftierung bezeichnet hatte? Jedenfalls habe ich nicht mitbekommen, dass er seinen Parteikollegen widersprochen hätte.

vor 3 Stunden
"einige arbeiten 70 Stunden, andere gar nicht und bekommen dafür 1500 Euro" Das ist dank SPD bereits jetzt ein Fakt. Daher kann die SPD nie wieder sich als Arbeiterpartei präsentieren. Jemand der 40 Stunden/Woche arbeitet sollte mindestens das doppelte zur Verfügung haben, als jemand der 0 Stunden/Woche arbeitet. Dafür sollte sich eine Arbeiterpartei kompromisslos einsetzen, alles anderes ist eine Augenwischerei.


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