Französische Wähler ungewöhnlich unentschlossen
In Frankreich sind einen Monat vor der Präsidentschaftswahl einer Umfrage zufolge ungewöhnlich viele Wähler noch unentschlossen. 43 Prozent der Wahlberechtigten wissen noch nicht, für wen sie stimmen wollen, wie aus einer heute veröffentlichten Odoxa-Umfrage für den Radiosender Franceinfo hervorgeht.
„Das Niveau der Unschlüssigkeit bei den Wählern ist sehr außergewöhnlich“, schrieben die Umfrageexperten.
Le-Pen-Wähler vergleichsweise sicher
Vergleichsweise sicher sind sich die Wähler der rechtsextremen Marine Le Pen und des konservativen Francois Fillon: Von den Anhängern Le Pens gaben 60 Prozent an, sie ganz sicher wählen zu wollen, bei den Unterstützern Fillons waren es 57 Prozent.
Der Unabhängige Emmanuel Macron kam dagegen lediglich auf 47 Prozent, die Kandidaten der Sozialisten und der Linken auf noch weniger.
Umfragen zufolgen liegen Macron und Le Pen für die erste Runde der Wahl am 23. April vorne. Bei der Stichwahl am 7. Mai dürfte sich dann der ehemalige Wirtschaftsminister klar gegen die Kandidatin der rechtsextremen Front National durchsetzen.
Fillon beschuldigt Hollande der Verschwörung
Fillon erhob unterdessen schwere Vorwürfe gegen den sozialistischen Amtsinhaber Francois Hollande. Der wegen der Beschäftigung seiner Ehefrau unter Druck geratene Politiker beschuldigte Hollande gestern, in eine Verschwörung gegen ihn verstrickt zu sein.
„Mache den Präsidenten dafür verantwortlich“
Hollande persönlich habe zugestimmt, dass den Medien Informationen über seine Finanzangelegenheiten gesteckt werden, sagte Fillon in einem Fernsehinterview. Er wird beschuldigt, seine Frau jahrelang zum Schein beschäftigt und dafür Hunderttausende Euro Steuergelder kassiert zu haben. Fillon weist dies zurück. Seine Wahlchancen sind stark gesunken.
„Es gibt heutzutage Zeitungen, die 48 Stunden nach der Durchsuchung beispielsweise meines Büros in der Nationalversammlung beschlagnahmte Unterlagen zugespielt bekommen“, sagte Fillon. „Wer gibt ihnen diese Dokumente? Die Regierung.“ Auf die Frage, ob dies mit Zustimmung von Politikern oder der Justiz geschehe, erklärte er: „Ich gehe viel weiter, ich mache den Präsidenten der Republik dafür verantwortlich.“