Die Bewegung «Men Going Their Own Way» (kurz MGTOW) zählt auf dem Online-Forum Reddit über 15‘000 Sympathisanten und wächst rasant. Die MGTOW-Community verzichtet bewusst auf romantische Beziehungen zu Frauen und hegt einen gigantischen Groll gegen den Feminismus.
Warum die MGTOW-Männer Liebe und Sex aus dem Weg gehen, dafür gibt es die unterschiedlichsten Gründe. Doch egal wie die Herren zur Bewegung kamen, sie alle vertreten die ein und dieselbe Meinung: Frauen geniessen eine privilegiertere Position in der Gesellschaft und sind folglich zu verachten. Darum sei der Kampf um Frauenrechte einfach nur dumm.
Verzicht auf Sex
Wir wollten genauer wissen, wer diese MGTOW-Dudes sind und wagten uns auf Reddit, um interviewwillige Herren zu finden. Die Antworten auf unsere Anfragen waren eindeutig. Zwischen «Nein, kein Interesse» und «Fickt euch, scheiss Journalisten» wurde schnell klar: Hier will niemand mit uns sprechen.
Dann aber meldete Reddit-User Mike sich. Der 20-jährige Student aus Amerika ist seit ein paar Jahren Anhänger der MGTOW-Philosophie. Wider Erwarten wirkt er intelligent, drückt sich eloquent aus. Zugleich erstaunt er mit primitiven Aussagen wie «Frauen sind manipulative Männermonster». Und da der Rest der Welt diese Ansicht nicht mit ihm teile, sei «Men Going Their Own Way» die «ehrlichste Art, mit der Gesellschaft umzugehen».
Aber auch er kann Frauen nicht ganz aus den Weg gehen. «Ich muss trotzdem mit ihnen interagieren – Arbeit, Familie oder so», gibt er zu. Auf Sex verzichtet er. Nur noch die Masturbation könne seine sexuellen Bedürfnisse befriedigen.
Unnötiger Welthass
Obwohl viele der MGTOW-Anhänger nicht mit uns sprechen wollten, teilen sie sich eigentlich gerne mit. Auf Reddit stossen wir auf erstaunliche Debatten. Warum Frauen immer fetter werden, weshalb ein User seine feministische Freundin verlassen soll und wieso Gleichberechtigung irrelevant ist, sind nur ein paar Beispiele. «Die Lohn-Ungleichheit zwischen Mann und Frau ist eine erfolgreiche Leistung der Männer», steht etwa als Kommentar geschrieben.
Bei einer solch absurden Einstellung, trifft man natürlich auf Kritiker. Auch sie posten auf Reddit ihre Beiträge und versuchen den unnötigen Frauen- und Welt-Hass zu erklären. Für sie ist der Lifestyle eine lausige Ausrede für Versager, die nie eine Chance bei Frauen hatten. Wer so lebe, müsse doch ein verbitterter Eigenbrötler sein, der noch Zuhause bei den Eltern wohnt.
«Vielleicht hätte ich gerne Kinder.»
Mike und seine Gleichgesinnten reagieren gleichgültig auf solche Gegenstimmen. «Uns kümmert das nicht», beteuert er. Die Anhänger der Bewegung verfolgen unbeirrt ihr Sex- und frauenloses Dasein weiter und leben nach einem Stufensystem, welches die MGTOW-Community entwickelte. Das oberste Ziel: Die totale soziale Isolation. So verzichten sie auch auf eine eigene Familie.
«Vielleicht hätte ich gerne Kinder», gibt Mike zu. Aber für ihn seien die damit verbundenen Risiken wie Hochzeit, Scheidung und das scheinbar absehbare finanzielle Elend zu gefährlich. Seine emotionale Erfüllung finde er angeblich in seinem Umfeld.
Als Aussenstehende und – vor allem als Frau – wird man nicht ganz schlau aus dem MGTOW-Lifestyle. Das Ganze wirkt eher wie eine Legitimation, sich der Welt zu entziehen und trotzig gegen weibliche Wesen zu hetzen. Aber das werden die Anhänger von «Men Going Their Own Way» wohl anders sehen. Und einen Reddit-Post darüber schreiben, den wir aber nicht mehr lesen werden.
141 Kommentare
Als überzeugter MGTOW wirst du ja im Alltag oft von Anderen mit dem Frauenthema belästigt, obwohl du eigentlich einfach nur deine Ruhe haben willst. Ich habe daher schon vor langer Zeit mal mein persönliches MGTOW-Manifest geschrieben, welches ich, sobald die Frage auftaucht, einfach nur noch ausgedruckt übergebe: "Ein Mann, der die Ehe eingehen will, sollte sich selbst vorher folgende Fragen stellen: Habe ich Lust … … auf täglichen häuslichen Ehe-Terror? … von meiner Frau als "Schlappschwanz" und "impotent" beschimpft zu werden, wenn ich einfach mal keinen Bock auf Sex habe? … dass meine Frau am laufenden Band mit dem Hackebeil vom Fleischer irgendwelche psychischen Wunden aufreißt und noch genüsslich eine Tüte Kochsalz hineinschüttet, "weil man ja über Probleme reden, reden, reden muss"? … mich von meiner Frau ständig wegen "mangelnden beruflichen Ehrgeizes" tyrannisieren zu lassen, wenn ich keine Lust darauf habe, das selbstmörderische, Gesundheit und Lebenserwartung kostende Spielchen in der Karriere-Tretmühle mitzumachen und mich stattdessen mit etwas weniger beruflichem Aufstieg zufrieden gebe? Und finanziell auch damit ganz gut auskomme, dafür aber ein Mehr an Freizeit und Lebensqualität habe? (Außerdem: Nach der Scheidung ist der finanzielle Vorteil einer höheren Stellung ohnehin wieder futsch, weil mich das Gericht dazu zwingt, den ganzen Mehrertrag der Ex hinterher zu werfen. Ein reines Nullsummenspiel. Also warum nicht gleich von Anfang an kleinere Brötchen backen und dafür mehr Spaß im Leben haben?) … dass mir kein Schwein glaubt, wenn meine Frau mir gegenüber gewalttätig wird? Dass ich ausgelacht und verspottet werde, wenn ich es jemandem erzähle? Dass meine Frau vielleicht sogar den Spieß umdreht und behauptet, ICH wäre gewalttätig geworden? … wegen nicht stattgefundener häuslicher Gewalt meinerseits falschbeschuldigt und auf Basis des Wegweisungsgesetzes behördlich auf unbestimmte Zeit aus den eigenen vier Wänden vertrieben zu werden? … bei einer Scheidung mit Kindesmissbrauch verleumdet zu werden, ein Vorwurf, von dem man sich NIE wieder zur Gänze reinwaschen kann? … nach einer Scheidung finanziell bis aufs Existenzminimum abgezockt zu werden? … nach einer Scheidung meine Kinder kaum bis nie wieder sehen zu können? … mich in dem Zusammenhang vom Jugendamt wie einen Aussätzigen behandeln zu lassen?" Wenn eine Frau allein leben will, dann ist das das "Selbstbestimmungsrecht der Frau über ihren Körper." Selbstbestimmungsrecht des Mannes? Fehlanzeige! Die Frau hat im Wertesystem des Mannes einen Stellenwert einzunehmen wie der wiedergekommene Messias! Ansonsten treten die schon bekannten sozialen Sanktionierungsmaßnahmen in Kraft! Die beliebte Vorwürfe mit dem Frauenhass oder den angeblich zu hoch hängenden Trauben diskutiere ich übrigens immer auf folgende Weise weg: Es gibt auf dieser Welt auch eine ganze Reihe von Ländern, die mich als Reiseziele nicht interessieren. Das bedeutet weder, dass dort eine Einreiseverbot gegen mich vorliegt, noch dass ich die Bevölkerungen dort hasse! Christoph Altrogge
Spannend zu lesen. Weniger der Artikel, der den Kern dieser Einstellung nicht annähernd erfasst, als vielmehr die Kommentare der Schreiberinnen. Aus diesem Lager müssten weit über 90 Prozent MGTOW befürworten, denn es ist ja immernoch so, dass Frauen in einer Beziehung von "ihrem" Mann verehrt werden wollen, während er "fremde" Frauen ignoriert. Schaut er aus Versehen einen Wimpernschlag zu lang hin, hängt der Haussegen mindestens drei Tage schief und unter einem Dutzend Entschuldigungen kommt er da auch nicht mehr raus. 😃 Das weibliche Modell ist also sozusagen "MGTOW minus TOW plus MW (Man Goes My Way)...
Nennen wir die Dinge doch mal beim Namen: Es gibt Frauen mit schwachem Selbstbewusstsein, denen die Vorstellung, dass es Männer gibt, die sie mit Vorbau- und Gesäß-Wackelei nicht manipulieren können, eine Heidenangst bereitet. Und darum greifen sie zu einer weiteren beliebten weiblichen Manipulationsmethode: der Beschämung. Diese Männer sind dann in ihrem simplen S/W-Weltbild alle Frauenhasser, leben noch bei Mutti, haben keine Frau abgekriegt oder im Extremfall sogar Pädophile. Der Marktwert der Ware weibliche Sexualität soll so praktisch durch manipulative Stützkäufe künstlich hoch gehalten werden. Ach ja, und bevor jetzt wieder das beliebte Hast-wohl-keine-abgekriegt kommt: Ich arbeitete als Computertrainer für Erwachsene und habe inzwischen schon aufgehört zu zählen, wie oft schon Teilnehmerinnen mit ihren Grabbelfingerchen an meinen Schultern herumgeknetet haben, wenn ich vorm Computer saß. Einmal hat sogar eine Teilnehmerin, der ich am Rechner gerade etwas erklärte, plötzlich damit begonnen, zwischen ihren Schenkeln an sich selbst sexuelle Handlungen vorzunehmen.
Sind denn die Downvoterinnen, und ich schreibe hier bewusst: INNEN, auch bereit, sachlich zu begründen, was genau ihnen an meinen Ausführungen denn nicht gefällt? Christoph Altrogge