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08. Juli 2011
 

Sport

 
Olympische Winterspiele 2018 nicht in München. Quelle: dpa
Ausgeträumt: München ist gescheitert.

Olympia 2018

Winterspiele 2018 finden
in Pyeongchang statt

Südkoreanische Stadt erhält
Zuschlag nach erstem Wahlgang

Der olympische Traum für München ist geplatzt. Die IOC-Mitglieder stimmten in Durban für die südkoreanische Stadt Pyeongchang als Ausrichter der Winterspiele 2018. Die Entscheidung fiel schon im ersten Wahlgang.

 
 
 
 

Die Winterspiele finden vom 9. bis 25. Februar statt. Bei der Abstimmung von 95 IOC-Mitgliedern bekam die bayerische Metropole lediglich 25 Stimmen. Sieger Pyeongchang triumphierte mit der absoluten Mehrheit von 63 Stimmen. Frankreichs Außenseiter Annecy war mit sieben Voten absolut chancenlos.

 
Reaktionen auf die Entscheidung

Zitat

„Der Sport hat wieder gezeigt: Siege sind nicht alles.“

DOSB-Präsident Thomas Bach

Deutschland ist damit zum insgesamt fünften Mal nach 1960 (Garmisch-Partenkirchen/Winter), 1992 (Berchtesgaden/Winter), 2000 (Berlin/Sommer) und 2012 (Leipzig/Sommer) mit einer Olympia-Bewerbung gescheitert. Dreimal machte Olympia bisher in Deutschland Station: 1936 in Garmisch-Partenkirchen und Berlin, 1972 in München. Asien ist zum fünften Mal nach Tokio 1964, Sapporo 1972, Seoul 1988, Nagano 1998 und Peking 2008 Olympia-Gastgeber.

 
Infokarte: Pyeongchang in Südkorea. Quelle: ZDF
ZDF
Der Gewinner: Pyeongchang: Im Nordwesten Südkoreas
 

IOC-Vizepräsident und DOSB-Präsident Thomas Bach nahm es sportliche: "Der Sport hat wieder gezeigt: Siege sind nicht alles. Aber Niederlagen sind auch nicht das Ende von allem. Wir müssen nun in Ruhe überlegen, ob es sinnvoll ist, sich noch einmal zu bewerben. Dazu wird es kommende Woche die ersten Gespräche geben, aber eine erste Entscheidung ist dort nicht zu erwarten."

 

Kein "Olympia-Double"

Die Niederlage Münchens hat auch eine historische Komponente. 46 Jahre nach den Sommerspielen 1972 wollte die bayerische Metropole als erste Stadt der Welt das "Olympia-Double" schaffen. Doch um 17.18 Uhr MESZ verkündete Rogge den Sieger. In der erleichterten südkoreanischen Delegation brandete Jubel auf - nicht nur Münchens Vorzeigefigur Katarina Witt verlor dagegen ihr Dauerlächeln im Moment der großen Enttäuschung. 44 Monate Kampf um ein "bayerisches Wintermärchen" blieben ohne Happy-End.

 

Trotz einer überzeugenden Kampagne und eines kräftigen Endspurts in Durban mit Bundespräsident Christian Wulff und Fußball-"Kaiser" Franz Beckenbauer kam München nicht auf genug Stimmen. Damit reichte es im millionenschweren Dreikampf ebenso wenig zum Sieg wie für Annecy.

Hängende Köpfe

Mit hängenden Köpfen hatten die Protagonisten der Münchner Delegation bereits das Auditorium im Kongresscenter von Durban verlassen, als IOC-Chef Rogge nach dem ersten Wahlgang verkündete: "Liebe Kollegen, Sie haben den Gastgeber gewählt." Den Namen nannte er da zwar noch nicht, aber alle ahnten das einzig mögliche Resultat.

Dabei hatte das Team um Vorkämpferin Katarina Witt und IOC-Vizepräsident Thomas Bach den Tag der Entscheidung in Topform eröffnet. Die 45-minütige Abschlusspräsentation bewertete Beckenbauer als "Tüpfelchen auf dem i". Bundespräsident Wulff lobte sogar: "Besser kann man Deutschland mit all seinen Möglichkeiten nicht darstellen." Die Frage wird sein, ob München für die Spiele 2022 noch einmal ins Rennen geschickt wird.

Zitat

„Wir sind jetzt wirklich bereit.“

Pyeongchangs Bewerbungschef Cho Yang Ho

Nationale Priorität

Beharrlichkeit könnte sich auszahlen, wie das Beispiel von Pyeongchang zeigt. "Wir sind jetzt wirklich bereit", hatte Bewerbungschef Cho Yang Ho die 95 stimmberechtigten Mitglieder nach den Niederlagen für 2010 und 2014 beschworen. "Pyeongchang 2018 ist eine nationale Priorität der koreanischen Regierung - und das schon seit zehn Jahren", hatte Staatspräsident Lee Myung-Bak betont. Er verbürgte sich für die Erfüllung aller Versprechen.

 
Olympische Winterspiele 2018 in Pyeongchang. Quelle: reuters
reuters
Große Freude in Südkorea.
 

Unter dem Motto "Neue Horizonte" sollen die Spiele in Fernost ausgetragen werden. Hinter der Bewerbung stehen finanzstarke Konzerne und die Politik. Nach den japanischen Metropolen Sapporo (1972) und Nagano (1998) ist Pyeongchang erst die dritte asiatische und die erste südkoreanische Stadt, die Winterspiele veranstaltet. Bereits bei den gescheiterten Bewerbungen waren Milliarden in die Infrastruktur investiert worden. In Südkorea war Olympia schon einmal zu Gast: bei den Sommerspielen 1988 in der Hauptstadt Seoul.

 

Infobox

Pyeongchang

Die Stadt, Zentrum des gleichnamigen Landkreises, liegt rund 140 km östlich von Seoul in der Provinz Gangwon, noch weitere 40 km östlich an der Küste liegt Gangneung, wo die Eis-Wettbewerbe stattfinden sollen.
Einwohner: 45.000 (Pyeongchang); 1,5 Millionen (Provinz Gangwon)
Olympia-Budget OCOG: 1,53 Milliarden US-Dollar
Budget Nicht-OCOG: 6,3 Milliarden US-Dollar
Gesamt: 7,83 Milliarden US-Dollar
Sportstätten: Pyeongchang/Alpensia Resort (Eröffnungs- und Schlussfeier, Ski Alpin, Ski Nordisch, Biathlon, Bob/Rodel/Skeleton), Jungbong (45 Straßen-Kilometer südwestlich, Ski Alpin/Abfahrt und Super-G), Bokwang Phoenix Park (45 km westlich, Ski Freestyle, Sbowboard), Gangneung (40 km östlich, Eiskunstlauf, Eisschnelllauf, Eishockey, Shorttrack)
Olympisches Dorf: Dörfer in Pyeongchang und Gangneung Erfahrung als Gastgeber: verschiedene Weltcups, Biathlon-WM 2007
Paralympische Spiele: 9. bis 18. März 2018
Budget: 97,4 Millionen US-Dollar

Felix Neureuther. Quelle: dpa
dpa
Hatte auf Olympia vor der Haustür gehofft: Felix Neureuther

Emotional und eindringlich

München hatte mit emotionalen Bildern und eindringlichen Worten bis zuletzt um das "Ja"-Wort gekämpft. Selbst das Sieger-Gen von Beckenbauer half auf den Tag genau elf Jahre nach dem Zuschlag für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland nicht. Beckenbauer schien es bereits geahnt zu haben. Noch vor der Verkündung des Ergebnisses war er bereits wieder auf der Heimreise: "Meistens hat man sich schon entschieden", hatte der 65-Jährige geunkt.

Der Versuch, auf der Zielgeraden "den emotionalen Knopf zu drücken", wie Witt hoffte, zog bei den IOC-Mitgliedern nicht. Auch dem flammenden Plädoyer von Bach folgten sie nicht. "Heute geht es um die Fragen, die uns morgen betreffen. Heute geht um die Frage, ist heute die Zeit, neue Territorien zu erforschen oder unser Fundament zu stärken", so Bach. Der Aufbruch in neue Welten und Märkte hat sich nach den Wahlsiegen von Sotschi (2014/Winter) und Rio de Janeiro (2016/Sommer) erneut durchgesetzt.

 

Üble Vorahnungen

Deutschlands Wintersport-Idole Markus Wasmeier und Christian Neureuther sagten schon vor der offiziellen Verküngung am Mikrofon des Bayerischen Rundfunks. "Man hört ja so, was die IOC-Leute sich erzählen, und da heißt es, dass Pyeongchang ganz klar im ersten Wahlgang gewonnen hat", sagte Wasmeier, und Neureuther schickte "herzliche Glückwünsche an Pyeongchang" hinterher.

 

Infobox

Der Tag der Entscheidung


8.30 bis 8.45 Uhr
Eröffnung der 123. IOC-Session durch Präsident Jacques Rogge in der Session Hall des Internationalen Kongress-Zentrums von Durban/Südafrika
8.45 bis 9.55 Uhr
Abschlusspräsentation von "München 2018" / im bei sport.zdf.de
10.25 bis 11.35 Uhr
Abschlusspräsentation Annecy/Frankreich / im bei sport.zdf.de
12.05 bis 13.15 Uhr
Abschlusspräsentation Pyeongchang/Südkorea / im bei sport.zdf.de
14.45 bis 15.15 Uhr
Bericht der IOC-Evaluierungskommisson
15.20 bis 15.35 Uhr
Probeabstimmung
15.35 bis 15.50 Uhr
Wahl des Gastgebers für die Olympischen Spiele 2018
17.00 bis 17.30 Uhr
Zeremonie zur Bekanntgabe des Gastgebers Olympischen Spiele 2018 / im bei sport.zdf.de
18.00 bis 18.45 UhrVertragsunterzeichnung zwischen IOC und Gastgeber der Olympischen Spiele 2018, anschließend Pressekonferenz
19.00 Uhr
Empfang des IOC-Präsidenten zur Wahl der Gastgeberstadt der Olympischen Spiele 2018

 

Infobox

Jacques Rogge. Quelle: dpa
dpa

Der Wahlmodus

In der ersten Wahlrunde scheidet der Kandidat mit den wenigsten Stimmen aus. Sollte ein Bewerber bereits in der ersten Runde die absolute Mehrheit erhalten, ist er der Sieger.

Die Abstimmung In der zweiten Wahlrunde gewinnt die Stadt mit den meisten Stimmen. Bei Stimmengleichheit entscheidet IOC-Präsident Jacques Rogge (Foto). Von den 110 Mitgliedern stimmen im ersten Wahlgang nach derzeitigem Stand maximal 96 Mitglieder ab. Die endgültige Teilnehmerzahl wird am Mittwoch bekanntgegeben.

 
 
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