Verdeckte Ermittlung

20. Oktober 2010 15:43; Akt: 20.10.2010 16:22 Print

«Pädophile sind nicht für Kinder verantwortlich»«Pädophile sind nicht für Kinder verantwortlich»

Die Polizei soll nicht mehr verdeckt in Chats gegen Pädophile ermitteln dürfen. Viele Politiker und Bürger sind empört. Nun meldet sich ein Betroffener zu Wort.

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Der Wechsel vom Spielzeug zum Computer: Eine Herausforderung für Kinder und ihre Eltern. (Bild: Colourbox.com)

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Herr G. leidet am sogenannten Lolita Syndrom. Im Jahre 2004 wurde der heute 48-Jährige wegen Besitz von Kinderpornografie zu einer Geldstrafe verurteilt. Seither ist er in therapeutischer Behandlung. Parallel dazu nimmt er seit Anfang 2010 ein Antidepressivum, welches die sexuelle Lust dämpft. G. ist Vater von zwei Kindern und lebt in einer Beziehung.

Herr G., haben Sie sich auch schon in Chats aufgehalten?
H.G. Nein. Es käme für mich nicht in Frage, mich einem Kind im Chat sexuell aufzudrängen.

Warum nicht? Sie stehen doch sexuell auf Kinder.
Genaugenommen auf Jugendliche, ja. Hinter der Kontaktaufnahme im Chat steht ja meist die Absicht, das Kind zu treffen und mit ihm Sex zu haben. Vor einem solchen sexuellen Kontakt fürchte ich mich zu sehr. Zudem möchte ich nicht, dass ein Kind durch mein Vorgehen im Chat seine Achtung vor mir verlieren würde.

Wie gehen Sie denn vor, um auf Ihre Rechnung zu kommen?
Ich bevorzuge Darstellungen oder Filme, bei denen ich nicht mit jemandem in einen persönlichen Kontakt treten muss. Zum Beispiel Filme, in denen sich ein Mädchen vor einer Webcam auszieht oder befriedigt. Seit ich Medikamente nehme, habe ich meine Bedürfnisse aber im Griff.

Was sagen Sie zur aktuellen Debatte darüber, dass die Polizei im Internet bald nicht mehr verdeckt gegen Pädophile ermitteln kann?
Ich finde das gut, denn letztlich geht es ja nicht nur um Pädophile. Die Polizei und viele Politiker missbrauchen uns. Sie nutzen die Empörung der Bevölkerung und versuchen damit, eine flächendeckende Bürgerüberwachung einzuführen.

Diese Form der Überwachung ist aber offenbar effizient, wie die Zahl der Verhafteten im Kanton Zürich zeigt.
Das stimmt. Gleichzeitig wird dadurch aber ein falsches Sicherheitsempfinden bei Eltern und Kindern geweckt. Man kann die Verantwortung dafür, wie sich ein Kind im Netz verhält, nicht uns Pädophilen in die Schuhe schieben.

Eine gewagte Aussage!
Es mag komisch tönen, ja. Aber ich habe Kinder gesehen, die vor einer Webcam Dinge gemacht haben, bei denen Ihnen die Haare zu Berge stehen würden. Absolut freiwillig und ohne, dass irgendwo ein Pädophiler in der Nähe gewesen wäre.

Was schlagen Sie vor?
Kinder brauchen Kompetenzen für das richtige Verhalten im Web. Und dafür brauchen sie ihre Eltern. Genauso, wie man uns früher gesagt hat, wir sollen nicht in ein fremdes Auto steigen, müssen diese heute Regeln aufstellen, die Kindern beim Surfen und Chatten hilfreich sind.

(bwe)

Kommentare (254 Kommentare)
  • Er hat recht, bis zu einem gewissen Punk
    Er hat recht bis zu einem gewissen Punkt. Die Eltern müssen mehr Verantwortung übernehmen und mit Ihren Kindern zusammen Regeln aufstellen. Das die Polizei nicht mehr verdeckt weiterermitteln darf, finde ich Schwachsinn. Diese "Kranken" müssen überführt werden. Und dieser Tipp, wegen dem Material, finde ich absolut unpassend. Hoffentlich wird in diesem Bereich entlich mal durchgegriffen!
    von: Melanie Huber am: 23.10.2010 19:13
  • Pädophilie nein - Inzest ja?
    Während wir hier und überall gegen Pädophile scharfe Massnahmen fordern, ist der CH-Bundesrat gerade dabei den INZEST zu legalisieren!!!!! So dürfen künftig Väter mit Töchtern Kinder zeugen (zur Freude der Mütter!). Dann stelle ich mir die Frage, warum noch die Pädophilie noch verurteilen? Auch die Perversion gehört in der gleichen Kategorie wie der Inzest. Genetisch gesehen wird der Inzest dramatische gesundheitliche Folgen haben. Auch soziologisch ist dies nicht tragbar. Was sind wir für eine Gesellschaft geworden? Unser Bundesrat übernimmt schleichen alle Gesetze der EU! Unfassbar.
    von: Giovanna am: 22.10.2010 19:55
  • Tipp
    Noch einen Tipp! Alle die sich im Netz Pornos rein ziehen, kommen früher oder später ungewollt zu verbotenem Material! Es ist gratis frei zugänglich! Ich nehme an, absichtlich. Der grösste Teil hat man aber inzwischen gelöscht. Das meiste ist altes Material von damals als es noch nicht verboten war! Also passen sie auf, dass sie nicht eines Tages die Polizei vor der Türe haben durch Unachtsamkeit!
    von: H.G. am: 22.10.2010 15:11
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